Sport : Anpfiff

Drei Berliner Schiedsrichter, die den Fall Hoyzer mit aufklärten, dürfen jetzt wieder Spiele leiten

Friedhard Teuffel

Berlin - Drei Wochen lang war Lutz Michael Fröhlich eine Art Schreibtisch-Schiedsrichter. Spiele durfte er nicht pfeifen, aber dafür klingelte in seinem Büro ständig das Telefon. Er musste viele Fragen beantworten zum Manipulationsskandal im deutschen Fußball, Fragen von Schiedsrichterkollegen, von Fußballfunktionären und Journalisten. Fröhlich ist einer der vier Berliner Schiedsrichter, die mit ihrer Aussage beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) den Betrug von Robert Hoyzer aufklären halfen. Die gute Tat ist erst einmal nicht belohnt worden. Der DFB setzte sie vorläufig nicht ein – er wollte sie schützen.

An diesem Spieltag dürfen Lutz Michael Fröhlich, Manuel Gräfe und Olaf Blumenstein wieder auf den Platz. Sie wollen nun zeigen, dass sie nicht nur bei der Aufklärung des Falles Hoyzer nützlich sind. „Für mich ist es eine Motivation, am Projekt Glaubwürdigkeit der Schiedsrichter mitzuarbeiten“, sagt Fröhlich. Er leitet am Montagabend das Zweitligaspiel MSV Duisburg gegen 1860 München, Blumenstein wird einer seiner beiden Assistenten sein. Manuel Gräfe pfeift am Sonntag das Zweitligaspiel Rot-Weiß Erfurt gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth. Vor zehn Tagen wäre er eigentlich der vierte Offizielle beim Testländerspiel Türkei gegen Tunesien gewesen. Doch das Spiel in Istanbul fiel wegen starken Schneefalls aus.

Den Einstieg in der Zweiten Liga will der DFB nicht als Zurückstufung verstehen. „Die Partien sind nicht von Pappe. Daran sieht man, dass das Vertrauen voll da ist“, sagt Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell. Ausgerechnet der wichtigste Zeuge unter den vier Berliner Schiedsrichtern wird auf seinen ersten Einsatz noch warten müssen. Felix Zwayer war von Hoyzer mehrfach angesprochen worden, ob er nicht bei den Manipulationsgeschäften mitmachen wolle. Zwayer lehnte ab. In seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft belastete Hoyzer seinen Kollegen Zwayer trotzdem, möglicherweise aus Rache, weil Zwayer ihn beim DFB angezeigt hatte. Zwayer gilt daher für die Staatsanwaltschaft erst einmal als Beschuldigter, sagt aber: „Ich habe ein reines Gewissen.“ Bis zu seinem nächsten Einsatz wird er sich noch gedulden müssen.

Für Lutz Michael Fröhlich beginnt am Montag dagegen schon wieder der Alltag. „Ich bereite mich auf das Spiel genauso vor wie sonst auch“, sagt er. An diesem Samstag werde er noch einen Trainingslauf machen und ins Fitnessstudio gehen. Bei diesem Spiel wird er sich aber besonders streng an seinen Grundsatz halten, kurzfristig zum Spiel anzureisen und schnell wieder abzureisen. „Vor dem Spiel möchte ich vor Ort mit so wenig Menschen wie möglich Kontakt haben, und zu Ende ist das Spiel für mich erst, wenn ich zu Hause die Tasche wieder ausgepackt habe.“

Fröhlich greift nach einem besonders turbulenten Spieltag wieder ins Geschehen ein. Am vergangenen Wochenende hatten die Schiedsrichter bei einigen Elfmeter- und Torentscheidungen daneben gelegen. „Solche Spieltage gibt es einfach“, sagt Fröhlich. Der DFB-Schiedsrichterausschuss hatte daraufhin beschlossen, noch mehr mit den Schiedsrichtern zu reden und vor allem Einzelgespräche zu führen. Fröhlich hat in dieser Woche mit Amerell und Volker Roth gesprochen, dem Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses. „Es ging vor allem um Vertrauensvermittlung“, erzählt Fröhlich, „jeder, der uns jetzt Vertrauen entgegen bringt, hilft uns. Allein, dass man miteinander spricht, ist nicht zu unterschätzen. Das kann schon dazu beitragen, dass man sich noch mehr konzentriert.“

Für Fröhlich wird es ohnehin höchste Zeit, wieder auf dem Platz zu stehen. Es ist die letzte Saison des 47-Jährigen, dann hat er die Altersgrenze überschritten.

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