Sport : April, April

Warum Länderspiele in diesem Monat wie das gegen Rumänien wertlos sind

Michael Rosentritt

Berlin . Rudi Völlers Telefon bimmelte in den vergangenen zwei, drei Tagen auffällig selten. Das ist einigermaßen erstaunlich. Denn bisher war das Handy des Teamchefs so gut wie nie still in den letzten Tagen vor dem obligatorischen Länderspieltermin Ende April. Die deutschen Nationalspieler waren in der Vergangenheit ziemlich erfinderisch, um diesen unliebsamen Termin zu umgehen. Diesmal aber sagten nur zwei Profis dem Teamchef ab. Das liegt nur daran, dass das Testspiel heute gegen Rumänien in Bukarest (19 Uhr, live im ZDF) das letzte ist vor der Nominierung des Kaders für die Europameisterschaft im Juni.

Nur Christian Wörns (Dortmund) und Christian Rahn (HSV) meldeten sich bei Rudi Völler krank. Selbst Michael Ballack (FC Bayern) ist dabei – trotz einer Wadenverletzung. Sein Einsatz entscheidet sich erst kurz vor dem Anpfiff. Vor einem Jahr erreichte die Zahl der Absagen noch einen neuen Höchststand. Eine komplette Mannschaft hatte sich verletzt gemeldet. Vor allem die Nominierung Michael Hartmanns (Hertha) dokumentierte seinerzeit, wie fragwürdig der Zeitpunkt des Länderspiels war. Hartmann durfte spielen, weil gleich drei qualifiziertere Spieler auf seiner Position für das Duell gegen Serbien und Montenegro abgesagt hatten. Dem deutschen Kader gehörte damals kein Bayern-Spieler an; mit Ramelow, Frings und Klose waren nur drei Spieler dabei, die im WM-Finale von 2002 standen.

Der Länderspieltermin Ende April fällt mitten in die entscheidende Phase der Meisterschaft hinein. Deshalb neigen viele Spieler schneller dazu, ein leichtes Ziehen in der Muskulatur als eine schwere Verletzung zu deuten. Weil mit diesem Phänomen auch andere Länder ihre Erfahrungen gemacht und sich beschwert haben, hat der Weltverband Fifa beschlossen, dass es im April von 2005 an keine Länderspiele mehr geben wird.

Oliver Kahn begrüßte diese Entscheidung. Der Mannschaftskapitän sagte, dass nahezu alle Nationalspieler bei diesem seit langem umstrittenen April-Termin in der Zwickmühle steckten. „Jeder denkt derzeit an die Bundesliga. Ich überlege, wie wir noch Meister werden können. Das gilt für einige andere auch, und manche sind mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigt. Das ist sicher ein Problem.“ Da während der laufenden Bundesliga-Endphase die Konzentration auf ein Länderspiel schwer fällt, appellierte Kahn an die Ehre seiner Mitspieler: „Wir sind Profis und müssen unseren Job erledigen. Jeder, der aufläuft, wird für Deutschland alles geben. Und jeder von uns weiß, dass wir uns nicht alles kaputt machen wollen durch eine lasche Einstellung gegen Rumänien.“

48 Tage vor dem ersten EM-Gruppenspiel gegen die Niederlande will die DFB-Auswahl vor allem den Glauben an sich selbst stärken. „Wir haben uns vorgenommen, vor der Europameisterschaft kein Spiel mehr zu verlieren und ein gewisses Selbstvertrauen zu holen. Deswegen ist dieses Spiel wichtig“, sagte Kahn. Völlers Team wird während eines Trainingslagers vor der EM noch gegen Malta (27. Mai in Freiburg), gegen die Schweiz (2. Juni in Basel) und gegen Ungarn (6. Juni in Kaiserslautern) spielen.

Noch vor der Abreise nach Bukarest hatte Rudi Völler seine Torhüter Oliver Kahn und Jens Lehmann zur Aussprache gebeten. Völler legte auf diese Unterredung großen Wert, nachdem Lehmann vor fast zwei Monaten seinen Konkurrenten Kahn persönlich angegriffen hatte. Der Schlichtungs-Gipfel nach dem Frühstück im DFB-Quartier in Gravenbruch bei Frankfurt dauerte lediglich zehn Minuten, dennoch sollen die Differenzen zwischen beiden Torhütern ausgeräumt worden sein. „Es ist alles geklärt“, sagte Völler hinterher und entschied, dass gegen Rumänien beide Torhüter jeweils eine Halbzeit spielen dürfen. Kahn beginnt, dann kommt Lehmann.

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