Arabische Airline als Investor : Millionen für Hertha?

Der durch Abstiegsnot und immense Schulden bedrohte Bundesligist Hertha BSC erwägt die Ausgabe von Vorzugsaktien an den potenziellen Investor Etihad Airways. Dies könnte dem Klub über zehn Millionen Euro einspielen.

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Nicht nur Herthinho begibt sich in die Luft, die arabische Airline Etihad Airline tut dies schon länger - und könnte demnächst bei Hertha BSC als Investor landen.
Nicht nur Herthinho begibt sich in die Luft, die arabische Airline Etihad Airline tut dies schon länger - und könnte demnächst bei...Foto: dapd

Ganz unabhängig vom Ausgang der Spielzeit werkelt Hertha BSC am Zufluss frischen Kapitals. Der Fußballbundesligist, der unter einer Schuldenlast von mindestens 35 Millionen Euro ächzt, besitzt auf Sicht kaum noch Eigenfinanzierungskraft. Bereits vor zwei Jahren, als Hertha den Gang in die Zweite Liga antreten musste, sicherte in einem nicht unerheblichen Maße eine Finanzspritze eines bis heute geheimen Investors in Höhe von acht Millionen Euro die Lizenz für eine weitere Spielzeit. Jetzt geht es erneut um einen Millionen-Deal, die Rede ist von 10 bis 15 Millionen Euro.

Ein erneuter Abstieg würde den Traditionsklub in große wirtschaftliche Bedrängnis bringen. Die Deutsche Fußball-Liga hat Hertha die Lizenz nur unter Auflagen erteilt. Der Klub muss bis Ende Mai Bedingungen erfüllen, und das selbst für den Fall des Klassenerhalts.

Hinter dem Deal, der derzeit verhandelt wird, soll nach Informationen des Tagesspiegels Etihad Airways stecken, eine schnell wachsende Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, die bereits als Trikotsponsor bei Manchester City eingestiegen ist. Chef der Airline ist Scheich Hamed bin Zayed Al Nahyan, ein jüngerer Halbbruder des Präsidenten der Emirate. Etihad Airways war bereits im vergangenen Jahr groß bei Air Berlin, Deutschlands zweitgrößter Airline, eingestiegen. Etihad stieg zum größten Einzelaktionär der Air Berlin auf (knapp 30 Prozent). Hintergrund ist die Absicht der Araber, auf den europäischen Markt zu drängen, insbesondere auf den neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg. Dabei kann es nicht schaden, den eigenen Namen in der Region einzuführen. Hertha könnte hier als Plattform dienen, weshalb es seitens der Araber bereits vor einem Dreivierteljahr eine erste Kontaktaufnahme mit Hertha gab.

Für den Klub soll es dabei um bis zu 15 Millionen Euro gehen. Die entscheidende Frage lautet: Unter welchen Bedingungen für Hertha kommt es zu diesem Deal? Etihad wäre der zweite ausländische Investor im deutschen Profifußball. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Jordanier Hasan Ismaik für 18,4 Millionen Euro 60 Prozent der Anteile an der KGaA des Zweitligisten 1860 München übernommen, davon 49 Prozent stimmberechtigte. Ähnlich wie bei den Münchnern ist auch bei Hertha vor über zehn Jahren die Profiabteilung der Fußballabteilung in eine Kapitalgesellschaft auf Aktien (KGaA) ausgegliedert worden. Der Hertha BSC e.V. ist a) zu 100 Prozent an der KG beteiligt und hält b) auch 100 Prozent an der Komplementär GmbH, der Hertha BSC Verwaltungs- GmbH, die die Geschäftsführung stellt.

Durchaus denkbar, dass Hertha dafür Vorzugsaktien ausgibt, genauer Vorzugsaktien der KGaA. Solche Vorzugsaktien garantieren dem Investor eine Dividende, die wiederum Hertha günstiger käme als die Verzinsung von der Bank geliehenen Geldes. Die Einsparungen könnten durchaus die Millionengrenze übersteigen. Und Hertha würde das Geld quasi als Eigenkapital zufließen. Allerdings müsste der Klub das Geld nach einer Zeit, vermutlich fünf Jahre, ablösen. Sollte dem Klub das nicht möglich sein, würden sich die Vorzugsaktien umwandeln in Stammaktien mit Stimmrecht. Genau hier könnte es gefährlich werden, denn Hertha hätte dann echte Teile des Unternehmens verkauft.

Der Gegenwert für 15 Millionen Euro dürfte derzeit zwischen 25 und 45 Prozent der Aktien entsprechen. Das hängt davon ab, wie hoch der Marktwert Herthas ist. Etihad würde so über eine Sperrminorität verfügen. Das wiederum würde bedeuten, dass der Investor zumindest wesentliche Beschlüsse der Fußballklubs verhindern könnte. Hertha wollte sich dazu bislang nicht äußern, aber so könnte ein wahrscheinliches Szenario aussehen.

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