Sport : Arbeitskampf in München

Die Spieler des FC Bayern verlieren vor dem Duell gegen Hertha BSC die Nerven – trotz drei Siegen in Folge

Detlef Dresslein

München. Beim FC Bayern München spielt man Fußball und Basketball. Auch eine Schach- und eine Handballabteilung gibt es. Von Boxen war bislang nichts zu hören. Insofern überrascht die launige Information des Vize-Phrasenlieferanten Sepp Maier (hinter Franz Beckenbauer). „Demnächst verpflichten wir Witali Klitschko als Kotrainer.“ Ein Hinweis darauf, dass in der Abteilung Profifußball vor der heutigen Partie gegen Hertha gerne auch andere Sportarten betrieben werden. Nachdem vor kurzem ein Trainingsspielchen in einer Rauferei zwischen Niko Kovac und Bixente Lizarazu endete, ging am Mittwoch Thorsten Fink mit einem Veilchen in die Kabine. Er hatte versucht, beim Kampf Jeremies vs. Kuffour den Ringrichter zu geben. Börse dabei: 10000 Euro Geldstrafe für Kuffour.

Klar ist: Beim FC Klitschko („Bild“), ehemals FC Hollywood, ist das tägliche Leben härter geworden. Es geht nicht mehr um internationale Titel, es geht um den Arbeitsplatz. „Vom Verein gab es Signale, sich von Spielern zu trennen", bestätigt Tormann und Kapitän Oliver Kahn: „Dementsprechend mehr Gas muss man geben.“ Das aber sei ein „Riesenvorteil für die Mannschaft", da das Training auf höchstem Niveau stattfinde. Trainer Ottmar Hitzfeld will gar nicht abstreiten, dass das süße Leben an der Säbener Straße zur Vergangenheit gehört: „Es wird weniger rotiert, was den Kampf um die Plätze härter macht.“ Und die Nestwärme fehlt offenbar gänzlich. Claudio Pizarro beschwerte sich jüngst, dass „der Trainer nicht mehr mit mir redet", während Hitzfeld auf Giovane Elber böse ist, weil der in den Vertragsverhandlungen Geduld beweist. „Er will pokern", sagt Hitzfeld und setzt derweil im Sturm auf seinen neuen Liebling Roque Santa Cruz.

Dass die handfesten Rangeleien im Training der Leistung förderlich sind, bewiesen die Bayern zuletzt. Drei Siege in Folge, davon zwei ohne Gegentor. Und die Liga wird souverän dominiert, was die bereits erwähnte Boulevardzeitung zum nächsten Synonym animierte: „FC Schumi". Deshalb sieht Oliver Kahn die neue Box-Abteilung gelassen. „Ich misch mich da gar nicht ein. Aber ein bisschen Aggressivität gehört einfach dazu.“ Zumindest solange sich die Aggression im Spiel positiv auswirkt. „Dortmund hat es vor drei Wochen gegen uns mit Überhärte versucht und die Linie verloren", erinnert sich Kahn. „Das wird uns nicht passieren. Wir sind nicht dumm, wir gehen hart zur Sache, aber nicht blödsinnig."

Kahn selbst ist das Sinnbild für den Wandel der Bayern-Mannschaft. Noch vor Wochen hart kritisiert und selten ohne Gegentor, gelang ihm das zuletzt zweimal, und beide Male bot er wieder altbekannte Leistungen. Das Lob dafür mag Kahn nicht hören. „Wenn man aus fünf Metern angeschossen wird, ist man plötzlich wieder in Form, so lächerlich ist das.“

Wenn heute die von Kahn gefürchteten „Ausländer vorne drin“ bei Gegner Hertha BSC nicht allzu oft an ihm vorbeischießen, dann hat der FC Bayern gute Chancen, sein erstes Teilziel vorzeitig zu erreichen: die Herbstmeisterschaft. „Hertha hat eine starke Mannschaft mit großen Ambitionen", sagt Ottmar Hitzfeld. Torwart Kahn meint: „Sehr kompakt, die muss man erst mal knacken.“ Doch der letzte Hertha-Sieg in München liegt 25 Jahre zurück. Kein Grund zur Gelassenheit, findet Oliver Kahn: „Irgendwann ist auch diese Serie vorbei.“

Sagt es und glaubt selbst nicht dran. Und schließlich, so Kahn, habe die Saison gar nicht richtig begonnen. „Entscheidend ist die Rückrunde, ab Spieltag zwanzig. Alles andere ist Vorgeplänkel.“

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