Sport : Armenien statt Emsland

Der FSV Mainz 05 feiert Premiere im Uefa-Cup

Daniel Meuren

Mainz - Es gab schon spektakulärere Spiele im Fußball-Europapokal als die zwischen Mainz 05 und FC Mika Aschtarak (Hinspiel Donnerstag, 20.30 Uhr, live im DSF). Aber irgendwie passt es ins Bild vom Karnevalsverein, dass sich die Mainzer auf die beiden Uefa-Pokal-Auftritte gegen den armenischen Meisterschaftszweiten in etwa so freuen wie ein Dorfklub, der im DFB-Pokal auf Bayern München trifft. Mehr als 20 000 Mainzer begleiten ihre Elf ins 40 Kilometer entfernte Frankfurter Waldstadion, wohin der Klub wegen zu geringer Sitzplatzkapazität im heimischen Bruchweg-Stadion ausweichen muss.

Die Mainzer gehen den ersten internationalen Auftritt in ihrer hundertjährigen Vereinsgeschichte ähnlich an wie ihre erste Saison in der Bundesliga im Vorjahr. „Wir sind einfach erst mal froh, dabei zu sein. Für uns ist das in jedem Fall ein richtiges Uefa-Cup-Spiel“, sagt Trainer Jürgen Klopp, obwohl es sich doch im Grunde genommen nur um ein Qualifikationsspiel zum Hauptfeld des Wettbewerbs handelt. In dieses Feld der Namenlosen hat sich der Bundesliga-Elfte der Vorsaison durch die Hintertür geschlichen. Gewissermaßen hat sich Mainz 05 mit seinem sympathischen Auftreten und seinen närrischen Fans mit Helau und Fastnachtsliedern ins internationale Geschäft gesungen. Mainz 05 kam durch die Fair-Play-Wertung der Uefa in die Qualifikation. Dieser Weg ins Hauptfeld des Uefa-Cups gilt als der deutlich bequemere im Vergleich zum UI-Cup. „Diese Spiele wird niemand von uns jemals vergessen“, sagt Klopp.

Bei aller Vorfreude bewirkte die überraschende Beförderung vom Bundesliga-Aufsteiger der Vorsaison zum Uefa-Cup-Teilnehmer argen Stress in der Sommerpause. Die Pläne für die Saisonvorbereitung mussten über den Haufen geworfen werden. Statt einer Fahrt ins Trainingslager ins Emsland gehen die Mainzer nun international auf Reisen. Kurzerhand wurde Teammanager Axel Schuster nach Armenien geschickt, wo er nach eigenen Worten fast wie ein Staatsgast empfangen worden sei. Schuster kundschaftete aus, wie Mainz 05 den Ausflug mitten in der Saisonvorbereitung kräfteschonend bewältigen kann. Zudem beobachtete er den unbekannten Gegner, der ein 4-4-2-System bevorzugen soll.

„Außerdem hat mir ein Kollege aus dem Fußballlehrer-Lehrgang, der in der Ukraine arbeitet, gesagt, dass die Armenier traditionell alles spielerisch lösen“, sagt Klopp. In der aktuellen Meisterschaft liegt Aschtarak nach elf Spieltagen auf Rang zwei und hat Mainz 05 voraus, schon im Spielrhythmus zu sein. Diese Nachteile stören Klopp wenig. Es hat fast den Anschein, als nehme der Trainer das Uefa-Cup- Abenteuer als willkommenen Ersatz für den ungewöhnlichen Mannschaftsausflug in die schwedische Wildnis, wo er im Vorjahr den Mannschaftsgeist seines Teams so erfolgreich gefördert hat. „Dieses Erlebnis wird die Mannschaft weiter zusammenschweißen“, sagt Jürgen Klopp.

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