Attacke auf Pauli-Fans und -Spieler : HSV-Hooligans gefährden das Hamburger Derby

15 Gewalttäter attackieren Fans und einen Spieler des FC St. Pauli. Der Hamburger SV entschuldigt sich beim Ortsrivalen und bestraft die Schläger.

Frank Heike
Angegriffen. St. Paulis Ersatztorhüter Benedikt Pliquett überstand eine Attacke von Hooligans ohne Verletzung.
Angegriffen. St. Paulis Ersatztorhüter Benedikt Pliquett überstand eine Attacke von Hooligans ohne Verletzung.Foto: Fishing4

Es gibt genügend Fußballfans in Hamburg, die beiden großen Klubs der Stadt die Daumen drücken. Der harte Kern der Anhängerschaft hält jedoch wenig vom Stadtrivalen – das ist bei den Fans des Hamburger SV nicht anders als bei denen vom FC St. Pauli.

Der Unterschied ist nur: St.-Paulis-Fans machen sich über den Hamburger SV als Kommerzklub lustig und ignorieren ihn, während die Abneigung vieler HSV-Fans gegen den Verein vom Kiez tief sitzt und sich eher dumpf äußert. Jahrelang war es für sie ein Leichtes, auf die Konkurrenz herabzuschauen, spielte der FC doch ein oder zwei Klassen tiefer und überbot sich in Misswirtschaft. Doch mit dem Aufstieg, dem neuen Stadion und der bestaunten Offensiv-Spielweise des FC St. Pauli scheint der Klub nun wieder besser als Feindbild zu taugen. Hooligans aus dem Umfeld des HSV griffen Anhänger des FC St. Pauli in der Nacht zum Sonntag brutal an.

15 zum Teil vermummte und polizeibekannte Gewalttäter hatten eine friedliche Reisegruppe attackiert, die nach dem Spiel des FC St. Pauli beim SC Freiburg mit dem ICE auf dem Endbahnhof Altona angekommen war. Unter den etwa 20 Fans des FC befand sich auch Torwart Benedikt Pliquett, der Rest der Mannschaft war früher ausgestiegen. Im Altonaer Bahnhof gerieten sie in einen Hinterhalt, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte, und wurden von den Hooligans geschlagen, getreten und beworfen. Die Aktion sei geplant und brutal ausgeübt worden, hieß es. Drei Schläger wurden festgenommen, für vier St.-Pauli-Fans endete die Fahrt vom Auswärtsspiel im Krankenhaus. Pliquett, der wohl nicht als Spieler erkannt worden war, blieb unverletzt.

Nach dem brutalen Angriff gibt es in Hamburg nun Diskussionen, ob das Stadtderby Mitte September im kleinen Stadion am Millerntor ausgetragen werden kann. Dort sind die Besucherströme wesentlich schwieriger zu lenken und die Fangruppen schwerer voneinander fernzuhalten als im Stadion des HSV am weitläufigen Volkspark. „Das ist schon etwas, worüber wir uns Gedanken machen und wo wir auch aktiv werden“, sagte der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, Helmut Spahn. „Wir werden gerade mit Blick auf das Derby am vierten Spieltag aber Gespräche mit den Verantwortlichen der Klubs führen.“ Von der Polizei der Hansestadt gab es am Montag noch keine Aussagen zu einer etwaigen Verlegung wegen einer neuen Gefährdungslage. Es ist aber davon auszugehen, dass es schärfere Sicherheitsregelungen rund um das Derby in vier Wochen geben wird. Für den FC St. Pauli sagte Sprecher Christian Bönig: „Wir haben ein Heimspiel und das findet natürlich am Millerntor statt.“ Alle bisherigen sieben Bundesliga-Heimspiele des FC St. Pauli gegen den Stadtrivalen wurden hingegen in der größeren Arena des HSV ausgetragen, auch weil dort wesentlich mehr Zuschauer Platz finden.

Inzwischen hat sich der HSV beim FC St. Pauli entschuldigt, die Schläger erwartet ein Stadionverbot. „Dieses Verhalten der vermeintlichen HSV-Anhänger ist absolut beschämend“, sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. „Wir werden das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bestrafen.“ Eines der Opfer zeigte die HSV-Hooligans zudem an.

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