Sport : Auf den Spuren von Dieter Hegen

Michael Wolf aus Iserlohn ist DEL-Torschützenkönig

Katrin Schulze

Berlin - Michael Wolf versteht den Wirbel nicht. Pausenlos gehen am Montagmorgen Interviewwünsche für den kleinen Stürmer der Iserlohn Roosters ein. Das Telefon klingelt im Minutentakt. „Die Leute sollen alle mal ruhig bleiben“, sagt Wolf, dem die erhöhte Aufmerksamkeit eher unangenehm ist. Der 27 Jahre alte Allgäuer ist halt kein Mensch, der sich gerne in den Vordergrund drängt. Dabei hat er in dieser Saison etwas erreicht, was seit 16 Jahren keinem Deutschen mehr gelungen ist. Mit 44 Treffern wurde er Torschützenkönig in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Zuletzt schaffte das Dieter Hegen, der 1992 für die Düsseldorfer EG 41 Tore erzielte.

„Ich fühle mich aber noch nicht in der Lage, in solche Fußstapfen zu treten“, sagt Wolf. Anders als Hegen kann er auch nicht die typische Karriere eines großen Eishockeyspielers vorweisen. Erst vor drei Jahren holte ihn Iserlohns Manager Karsten Mende vom Zweitligisten Moskitos Essen ins Sauerland. Kurz darauf debütierte Wolf in der deutschen Nationalmannschaft. „Die Kombination aus Nervenstärke und Kampfgeist macht Wolf so wertvoll“, sagt Bundestrainer Uwe Krupp. Wie wertvoll er ist, zeigte er schon bei seiner ersten WM-Teilnahme in Moskau, als er fünf Mal in sechs Spielen getroffen hat. „Seine Qualitäten als Torjäger sind herausragend“, findet Krupp. Und das nicht nur im Nationalteam: In seiner ersten Saison bei den Roosters schoss er 20, im vorigen Jahr 17 Tore.

Warum es in der laufenden Spielzeit mehr als doppelt so viele waren, dafür hat Wolf zwei simple Erklärungen. Erstens sei es besser, dass er nicht mehr so viel über das Toreschießen rede, und zweitens „habe ich in dieser Saison von so einem genialen Spieler wie Robert Hock profitiert“, sagt er. Das klingt bescheiden, ist aber realistisch, denn Iserlohns Kapitän Hock wurde mit 82 Punkten (24 Tore und 63 Vorlagen) Topscorer der DEL-Hauptrunde – vor den Kanadiern Steve Walker (Eisbären Berlin) und Peter Sarno (Hamburg Freezers). Der Anteil von Hock und Wolf am überraschenden fünften Tabellenplatz der Iserlohner dürfte daher gar nicht hoch genug einzuschätzen sein.

Sogar Trainer Rick Adduono veranlasste die erste Play-off-Teilnahme in der Iserlohner Vereinsgeschichte von einer „magischen Saison“ zu sprechen. Es wird wohl nicht die letzte Endrunde in den nächsten Jahren bleiben, denn sowohl Hock als auch Wolf verlängerten in dieser Saison ihre Verträge bei Iserlohn bis 2010. Beide fühlen sich wohl im Verein, schlugen finanziell lukrativere Angebote anderer Klubs aus. Und das nicht nur, weil sie ihre Qualitäten gegenseitig zu schätzen wissen. „Michael hat einfach einen unglaublichen Torriecher“, sagt Hock beispielsweise.

Allein im vorletzten Saisonspiel gegen die Krefeld Pinguine hat Hock seinem Sturmpartner zehn seiner zwölf Torschüsse aufgelegt, um ihn zum Torschützenkönig zu machen. Schließlich weiß Robert Hock um die Bedeutung des Titels: „Wenn jemand in so einer Liga 44 Tore in einer Saison schießt, dann gehört er in die Gruppe der ganz Großen, in die von Didi Hegen und Co.“ Michael Wolf selbst hört das nicht so gerne.

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