Sport : Auf der Straße und vor Gericht

Die Rad-Weltmeisterschaften finden große Aufmerksamkeit – vor allem wegen zerstrittener Funktionäre

Mathias Klappenbach

Berlin - Ein Friedensrichter soll kostengünstig, unbürokratisch und zeitsparend zwischen zwei streitenden Parteien schlichten. Deshalb hielte es der spanische Radsportverband für besser, wenn ein Friedensrichter oder ein Jurist die für Freitag geplante Wahl des neuen Präsidenten des Radsport-Weltverbandes (UCI) überwachen würde. Aber schon über diesen Plan des spanischen Verbandes, der gerade die Weltmeisterschaften in Madrid und auch die Präsidentenwahl ausrichtet, musste gestern als höhere Instanz ein Gericht entscheiden. Das Ansinnen wurde abgelehnt. Die Spanier und ihr Kandidat Gregorio Moreno haben Angst vor Wahlmanipulationen durch den amtierenden Präsidenten Hein Verbruggen. Der umstrittene Verbruggen wird der Wahlsitzung vorstehen, hält sich aber gleichzeitig noch offen, ob er entgegen seiner ursprünglichen Absicht wieder selbst als Präsident kandidiert.

Die Chancen des Mannes, den er eigentlich für seine Nachfolge vorgesehen hat, sind in letzter Zeit stark gesunken. Der Ire Pat McQuaid sieht sich unter anderem mit dem Vorwurf konfrontiert, seit Monaten als Angestellter der UCI gut dafür bezahlt zu werden, dass er Wahlkampf für sich betreibt. Diesen Vorwurf hat eine der größten Kritikerinnen von Verbruggen, Sylvia Schenk, in den vergangenen Tagen mehrfach wiederholt. Die frühere Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) scheidet nach der Neuwahl aus dem Direktionskomitee der UCI aus. Auch den Umgang der UCI mit der Dopingaffäre um Lance Armstrong hatte Schenk hart kritisiert.

Sie gehörte nicht zu der Reisegruppe, die am Montag Madrid verlassen hatte, um gegen die Einsetzung einer Überwachungsinstanz für die Präsidentenwahl zu protestieren. Verbruggen und acht weitere Mitglieder des Direktionskomitees waren nach Genf geflogen, um dort zu tagen – ohne Ergebnis mangels Beschlussfähigkeit. Schenk hatte erst gar kein Flugticket erhalten, zwei andere Funktionäre kein Visum bekommen.

Die Direktionsmitglieder sind seit gestern wieder in Madrid, die Tagung soll heute nachgeholt werden, die Wahl wie geplant am Freitag stattfinden. Schenks Nachfolger als BDR-Präsident, der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping, will sich erst noch eine Meinung bilden: „Ich komme am Donnerstag nach Madrid, werde mit ein paar Leuten reden und mich dann äußern.“ Scharping spricht zwar manchmal wie ein Friedensrichter, aber das Chaos in der UCI zu entwirren, wird wohl niemandem unbürokratisch und zeitsparend gelingen.

Die WM läuft übrigens bereits. Die von einer Virusinfektion geschwächte Judith Arndt wurde gestern im Einzelzeitfahren Vierte, heute starten Sebastian Lang und Michael Rich in dieser Disziplin bei den Männern. Der dreimalige WM-Zweite Rich rechnet sich einen Tag vor seinem 36.Geburtstag noch einmal Medaillenchancen aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben