Sport : Auf die Gewohnheit ist kein Verlass

Benedikt Voigt

Es gibt tatsächlich Athener, die noch nicht gemerkt haben, dass die Olympischen Spiele begonnen haben. Zum Beispiel der Fahrer eines weißen Kastenwagens. Er nähert sich mit hoher Geschwindigkeit vor dem Flughafen Eleftherios Venizelos einem Zebrastreifen, auf dem ein Fußgänger steht.

An diesem Punkt sollte man vielleicht erwähnen, dass die Athener Autoverrückte sind. Die meisten Haushalte besitzen zwei Fahrzeuge, die sogar für den kurzen Weg zu einem der zahlreichen Zeitungskioske benutzen werden. Dem Auto gehört die Hauptrolle, das wird auch an Zebrastreifen deutlich. Diese geben den Fahrern lediglich den Hinweis, mit vermehrtem Fußgängeraufkommen rechnen zu müssen.

Wagt sich tatsächlich einer dieser äußerst langsamen Verkehrsteilnehmer auf einen der weißen Streifen – womöglich in dem Glauben, es handele sich um eine sichere Straßenfurt – passiert folgendes: Der Autofahrer vergewissert sich durch intensiven Augenkontakt, dass ihn der Fußgänger auch gesehen hat – und gibt dann kräftig Gas.

Natürlich hält sich auch der Fahrer des weißen Kastenwagens an diese Gewohnheitsregel. Nur hat er vergessen, dass während der Spiele in Athen die internationalen Gepflogenheiten gelten. Hinzu kommt, dass genug Polizisten in der Stadt sind, um diesen neuen Regeln auch Geltung zu verschaffen. So auch bei dem Fahrer des weißen Kastenwagens: Ein Polizist pfeift, winkt ihn zur Seite und stellt ihm einen Strafzettel aus. Seitdem weiß er: Die Olympischen Spiele haben angefangen.

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