Sport : Auf eigenen vier Rädern

BMW übernimmt das Formel-1-Team Sauber

Christian Hönicke

Berlin - Wie so viele Geburten fand auch diese mitten in der Nacht statt. Um 3 Uhr am Mittwoch erblickte ein neuer Rennstall die Welt – und ein anderer kündigte sein Verschwinden an. BMW wird von 2006 an mit einem eigenen Team an der Formel 1 teilnehmen. Zu diesem Zweck hat der Münchner Autohersteller die Mehrheit am Schweizer Team Sauber übernommen. „Die Partnerschaft wurde heute besiegelt, am 1. Januar 2006 tritt sie in Kraft“, erklärte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Etwa 80 Millionen Euro hat BMW für Sauber bezahlt.

Die Entscheidung hatte sich lange angedeutet. Während BMW mit seinem Partner Williams aufgrund des ausbleibenden Erfolgs und des eingeschränkten Mitspracherechts zuletzt immer öfter aneinander geriet, machte Peter Sauber auf die angespannte finanzielle Situation seines Teams aufmerksam. „Die Kosten in der Formel 1 sind zu hoch für uns“, sagte Sauber, „die Autohersteller haben die Budgets in Höhen getrieben, die man sich vor zehn Jahren noch nicht vorstellen konnte.“ Jetzt zog Sauber mit dem Verkauf an BMW die Konsequenzen aus dem ungleichen Kampf: „Das bietet dem Team die Möglichkeit, sich sportlich zu verbessern, und sichert den Standort unseres Werks Hinwil und die Arbeitsplätze der 300 Mitarbeiter.“ BMW hat angekündigt, das Werk als eigenständige Tochterfirma erhalten und sogar ausbauen zu wollen – den Rennstall Sauber aber, eines der letzten Privatteams in der Formel 1, wird es nach 35 Jahren offiziell nicht mehr geben.

Stattdessen geht von 2006 an mit BMW das vierte reine Herstellerteam nach Toyota, Renault und Ferrari an den Start. „Diese Entscheidung basiert auf zwei Erkenntnissen“, sagte BMW-Motorsportdirektor Theissen. „Der Einfluss des Motors ist zurückgegangen, Fahrzeug, Reifen und Fahrer spielen eine größere Rolle als früher. Und das optimale Gesamtpaket erreicht man nach unserer Auffassung nur mit einem voll integrierten Team mit durchgängigen Prozessen.“ Theissen stellte aber auch klar, dass das neue Team Zeit benötigen werde: „Mit der komplexen Aufgabe Gesamtfahrzeug fangen wir praktisch wieder als Lehrling an. Da sind Geduld und Stehvermögen gefordert.“

Geduld, die BMW mit dem bisherigen Partner nicht mehr hatte. Fast sechs Jahre nach dem Wiedereinstieg in die Formel 1 hat der Autohersteller den Glauben daran verloren, an der Seite von Williams den Titel erringen zu können. Trotzdem zeigte BMW seine Bereitschaft, Williams auch 2006 mit Motoren zu beliefern. Ob das englische Team auf dieses Angebot eingeht, ist offen – es hat wohl bereits Kontakt zu Honda und Toyota aufgenommen. Ungeklärt ist auch noch, welche Piloten künftig für BMW fahren werden. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass der Konzern Nick Heidfeld in den neuen Rennstall mitnehmen wird.

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