Sport : Aufholjäger Katzurin

Albas Gegner Frankfurt arbeitet sich mühsam voran.

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Berlin - Nie mehr, hatte sich Muli Katzurin geschworen, werde er Mitte der Saison eine Mannschaft übernehmen. Zu holprig und nervenaufreibend war der Start des Basketball-Trainers in Berlin gewesen, nachdem er im vergangenen Frühjahr bei Alba die Nachfolge des gefeuerten Luka Pavicevic angetreten hatte. Im Sommer ging der Israeli zu den Frankfurt Skyliners, bei denen er den Kader nach seinen Vorstellungen zusammenstellen konnte. „Und Mitte der Saison hatte ich trotzdem wieder ein neues Team“, sagt der 57-Jährige und muss über die Wiederholung seines Albtraums selbst ein bisschen lachen.

Katzurin hat nicht etwa erneut den Verein gewechselt, am heutigen Samstag (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) ist er mit den Frankfurtern bei seinem alten Klub Alba zu Gast. Allerdings reist er nicht mit dem Team an, mit dem er im Herbst in die Spielzeit gestartet war: „Die Mannschaft, die wir gebaut hatten, hat in der Zwischenzeit plötzlich ihre Identität verloren.“

Nach den turbulenten Monaten bei Alba hatte sich Katzurin in Frankfurt eigentlich auf ein ruhigeres Arbeiten eingestellt. „Unsere Saisonvorbereitung war hervorragend, wir haben gute Mannschaften besiegt“, sagt Katzurin. Dann allerdings verletzen sich mehrere Spieler. Pünktlich zum Start der Pflichtspiele gerät Frankfurt aus dem Rhythmus. Im Eurocup scheitert das Team mit sechs Niederlagen in sechs Spielen, auch acht der ersten zehn Bundesliga-Partien gehen verloren. Der Halbfinalist des Vorjahres steckt plötzlich im Abstiegskampf.

Bei der 57:83-Niederlage im Heimspiel gegen Alba wirkt Katzurins Team Ende Oktober völlig überfordert. „Das war eine wirklich harte Niederlage, aber nicht die einzige“, sagt der Coach „Unsere Mannschaft war nicht bereit, um gegen Teams wie Alba zu bestehen.“ Frankfurt verliert auch mit 19 Punkten Unterschied gegen Oldenburg, gegen Bamberg sogar mit 34.

Anfang November sieht es bereits schlecht aus für die Frankfurter. Aber es kommt noch schlimmer. Aufbauspieler und Topscorer Justin Gray zieht sich eine schwere Knieverletzung zu, die er bis heute nicht überwunden hat. Kurz darauf wechselt Power Forward Jon Leuer nach Milwaukee, in die NBA. Frankfurt steht plötzlich ohne seine beiden besten Offensivspieler da. „Wir haben erst einmal im selben Stil weitergespielt, das hat natürlich nicht funktioniert“, sagt Katzurin.

Dem Pragmatiker gelingt es, seine Mannschaft neu zu erfinden. Er verpflichtet Spielmacher Devin Gibson und Flügelspieler Jacob Burtschi, vor allem aber ändert er die Spielweise komplett. „Wir haben sehr, sehr hart an unserer Verteidigung gearbeitet“, sagt Katzurin und spricht von „neuen Qualitäten, einem ganz anderen Stil“.

Die Skyliners beginnen, defensiv aggressiv und offensiv uneigennützig zu spielen – und zu gewinnen. In den vergangenen drei Spielen besiegt Frankfurt Bayern München mit 68:49, fegt anschließend Bayreuth 90:57 vom Feld und ringt schließlich sogar Tabellenführer Bamberg 76:68 nieder. Neun Spieltage vor Ende der regulären Saison liegen die Skyliners auf Rang elf, die Play-off-Plätze sind wieder in Reichweite.

Ob die Aufholjagd ähnlich erfolgreich läuft wie 2011 bei Alba, als es nach unruhigem Beginn bis ins Finale ging, daran will Katzurin nicht denken. „Diese Saison hat mich wieder mal eines gelehrt“, sagt er, „ich denke nur bis zum nächsten Spiel.“

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