Sport : Aufklärung oder Rufmord

Nach seinem Ausschluss aus dem Olympia-Team bestreitet Trainer Ingo Steuer eine Stasi-Mitarbeit

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Berlin - Der Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer prüft rechtliche Schritte gegen seinen Ausschluss aus dem Olympia-Team wegen der von der Birthler-Behörde geäußerten Stasi-Belastungen. „Das ist Rufmord, ich habe schon meinen Anwalt eingeschaltet“, sagte er beim Training der EM-Zweiten Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy in Chemnitz. Der Deutschen Eislauf-Union (DEU) ging die offizielle Bestätigung des NOK am Donnerstag zu, dass Steuer Inoffizieller Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der DDR gewesen sein soll.

Steuer ist einer von drei Trainern, die nach Überprüfung von 162 Betreuern und Offiziellen durch die Birthler-Behörde vom NOK aus dem Team gestrichen wurden oder selbst verzichtet haben. Das NOK hat aber bisher weder die Namen genannt noch die betroffenen Fachverbände informiert. Skisprung-Kotrainer Henry Glaß machte währenddessen freiwillig einen Rückzieher. „Ich will das Unternehmen Olympia nicht gefährden und das Team nicht belasten“, sagte er. Zum dritten Fall gibt es bisher nur Spekulationen. Dass es sich um Biathlon-Kotrainer Harald Böse handeln soll, wurde vom Deutschen Ski-Verband inzwischen dementiert.

Die Stasi-Unterlagen-Behörde begrüßte die Überprüfungen der Spitzenfunktionäre. Kritik an dem Verfahren des NOK habe sie nicht geäußert, betonte Behördenchefin Marianne Birthler. Es habe „intensive Beratungen zu Verfahrensfragen zwischen der Stasi-Unterlagen-Behörde und dem NOK gegeben“, teilte die Behörde mit.

Steuer erfuhr seine Ausbootung nicht persönlich. Die DEU schickte dem Paarlauf-Weltmeister von 1997 ein Fax. Darin teilte sie ihm mit, dass das Präsidium des NOK beschlossen hat, ihn nicht für die Olympischen Spiele zu nominieren. Nähere Informationen teilte das NOK bislang weder der DEU noch Steuer mit. Aljona Sawtschenko denkt nach der Streichung ihres Trainers selbst über einen Verzicht auf die Winterspiele nach. „Ich kann und will mir nicht vorstellen, ohne Ingo nach Turin zu fahren“, sagte sie im MDR-Fernsehen. Ihr Partner Robin Szolkowy will nach derzeitigem Stand dagegen bei Olympia antreten. Das Chemnitzer Paar soll bei den Winterspielen voraussichtlich von Steuers früherer Trainerin Monika Scheibe betreut werden, die in Turin ohnehin Eva-Maria Fitze und Rico Rex betreut. dpa

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