Sport : „Aufschwung? Vielleicht in zwei Jahren“

Berlins Trabrenn-Chef Mommert über die Krise seines Sports und neue Hoffnungen vor der Derby-Woche

Heute beginnt auf der Trabrennbahn Mariendorf die Derby-Woche. Im Interview spricht Ulrich Mommert, Vorsitzender des Berliner Trabrennvereins und seit 2005 Eigentümer der Trabrennbahn Mariendorf, über Wünsche und Ängste im Berliner Trabrennsport.

Herr Mommert, wie tief steckt der Trabrennsport in der Krise?

Die Situation ist sicher nicht optimal. Viele Besitzer haben aufgegeben, weil sie keine Perspektive mehr sahen. Der Umsatz ist seit Jahren rückläufig, die Besucherzahlen stagnieren. Dennoch ist das Derby immer noch etwas Besonderes – nicht nur für Insider. Da kommen viele Leute aus ganz Deutschland.

Sie haben nach dem Derby im letzten Jahr die Renngewinne angehoben. Warum?

Dadurch starten in Mariendorf mehr Pferde aus dem gesamten Bundesgebiet. Das wirkt sich positiv in Berlin aus. So mancher Besitzer glaubt jetzt daran, dass es sich doch wieder lohnt zu züchten. Bis aber wieder ein Aufschwung zu verzeichnen ist, dauert es sicherlich zwei, drei Jahre.

Ihr Konkurrent in Berlin, der Pferdesportpark Karlshorst, sah die Rennpreiserhöhung kritisch.

Das Wort Konkurrent ist übertrieben. Seit vielen Jahrzehnten veranstalten beide Vereine nebeneinander Rennen. Als wir im letzten Jahr die Gewinne erhöhten, warf man uns vor, die Rennbahn in Karlshorst systematisch in den Ruin treiben zu wollen.

Auf den Gedanken kann man kommen…

In der Realität sieht das aber ganz anders aus: Die Berliner Pferde starten wegen des hohen Levels in Mariendorf auch in Karlshorst. Dort kann man sich über zu kleine Starterfelder kaum beklagen. Konkurrenzkampf entsteht nur dann, wenn sich Renntage überschneiden. Wir versuchen aber, uns bei den Terminen zu arrangieren. Und wir sind guter Hoffnung, dass auch die Verantwortlichen in Karlshorst erkennen, dass nur unsere Philosophie das Überleben des Sports sichert.

Was meinen Sie damit?

Vereinbart war mal ein zentrales System für alle deutschen Trabrennbahnen. Das sollte gewährleisten, dass die Wetteinnahmen wieder zurück in den Sport fließen. Doch Karlshorst vermarktet sich genau wie Hamburg und Pfaffenhofen selbst. Das können wir nicht gutheißen, denn das verwettete Geld landet in den Töpfen der Buchmacher, nicht auf den Bahnen.

Was wünschen Sie sich für die Derby-Woche?

Mein Traum ist es, die Umsatzgrenze von zwei Millionen Euro zu überschreiten. Aber um mit einer schwarzen Null aus der Derby-Woche herauszugehen, reicht das nicht.

Das Gespräch führte Jörg Leopold. Eine ausführlichere Version lesen Sie im Internet unter: heimvorteil.tagesspiegel.de.

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