Sport : Aufstehen und aufsteigen

Der 1. FC Köln ist nach dem Pokal-Aus gefordert

Stefan Freye

Bremen - Es war warm und stickig auf dem Platz elf nahe des Weserstadions. Auf dem Feld feierte die Reserve von Werder Bremen einen überraschenden Erfolg und schlug den Zweitligisten 1. FC Köln 4:2 (2:2, 2:1) nach Verlängerung. Christoph Daum nahm es erstaunlich ruhig zur Kenntnis. Früher hatte der Kölner Trainer gern mal emotional auf derartige Pleiten reagiert. Diesmal sagte er: „Alles was ich jetzt sage, wären Parolen. Werder hat nie aufgegeben und den Platz mit Glück als Sieger verlassen.“ Daums Auftritt entsprach dem seines Teams: Der 1. FC Köln – als Favorit zum Regionalligisten nach Bremen gereist – blieb unscheinbar.

Die 39. Minute hatte dem Spiel die entscheidende Wendung gegeben. Da erzielte Martin Harnik den 1:2-Anschluss für den Außenseiter. Das Tor brachte die Kölner durcheinander. In der regulären Spielzeit fiel noch der Ausgleich, dann ließen sich die Kölner immer weiter in die Defensive drängen. In der Verlängerung verloren sie verdient.

Die Kölner Spieler selbst waren niedergeschlagen. „So kann es nicht weitergehen“, sagte Abwehrchef Kevin McKenna. Gerade an der Qualität der Zugänge ergeben sich nach diesem ersten Pflichtspielauftritt Zweifel: McKenna kann seine Schnelligkeitsdefizite kaum überspielen. Roda Antar tauchte völlig ab, statt die Initiative im zentralen Mittelfeld zu übernehmen. Torwart Faryd Mondragon präsentierte sich bei seinen Ausflügen als Unsicherheitsfaktor. Aber mit dieser Mannschaft will der 1. FC Köln unbedingt aufsteigen. Dass das nicht einfach wird, scheint Christoph Daum bereits realisiert zu haben. Der Trainer, der von einigen der 1500 mitgereisten Kölner Anhänger sogar noch beschimpft wurde, wirkte sehr frustriert. Daum erklärte, man dürfe ruhig hinfallen, müsse dann jedoch wieder aufstehen. Solche Worte fand Daum auch im Mai 1989, als der 1. FC Köln mit einem 1:3 gegen Bayern München die Meisterschaft verspielte. Interessant daran ist: Nur wenige Wochen nach dieser Äußerung musste Daum den Verein verlassen.

Am Freitag müssen die Kölner wieder aufstehen, zum Zweitliga-Auftakt bei Aufsteiger FC St. Pauli. Sollten sich die Kölner aber so desolat präsentieren wie am Sonntag in Bremen, dann droht ihnen schon früh in der Saison eine ernsthafte Krise.Stefan Freye

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