Sport : Aus dem Konzept gewechselt

Alba Berlin verliert im ersten Spiel des Play-off-Halbfinals deutlich 64:80 gegen die Skyliners Frankfurt

Helen Ruwald

Berlin - In der Max-Schmeling-Halle war eine Zusatztribüne aufgebaut worden, um möglichst vielen Fans von Alba Berlin die Möglichkeit zu geben, den Weg zum deutschen Meistertitel mitzuerleben. Etwas anderes zählt nicht für den Basketball-Bundesligisten. Doch gestern im ersten Halbfinalspiel gegen die Skyliners Frankfurt waren auf den Rängen noch zahlreiche Plätze frei. Dass die Meisterschaft weit weg ist, demonstrierte auch die Mannschaft. Die Berliner, Tabellenerster nach der Hauptrunde, verloren vor 6060 Fans gegen den Deutschen Meister 64:80 (32:40). Es war die erste Bundesliga-Heimniederlage in dieser Saison.

Das nächste Spiel der Serie nach dem Modus „Best of five“ findet am Donnerstag in Frankfurt am Main statt. In der Bundesliga-Hauptrunde steckte Alba dort eine hohe Niederlage ein. „Wir dürfen jetzt nicht viel nachdenken und müssen am Donnerstag anders auftreten“, sagte Spielmacher Mithat Demirel. Mit mehr Aggressivität nämlich. Auch in der vergangenen Saison verlor Berlin das erste Play-off-Halbfinalspiel, damals gegen Bamberg. Alba glich in der Serie nach 0:2-Rückstand noch aus – und schied im fünften Spiel aus.

Beste Werfer bei Alba waren gestern Gerald Brown (14), Jovo Stanojevic (11) und Szymon Szewczy (10). Die Hauptrollen übernahmen allerdings die Kontrahenten. Frankfurts Spielmacher Pascal Roller (23 Punkte) hatte schon zur Halbzeit bei hundertprozentiger Trefferquote 18 Zähler erzielt, Alba fand kein Mittel, ihn zu stoppen. Nach der Pause übernahm Tyrone Ellis die Rolle des starken Schützen (insgesamt 21 Punkte). Roller, Ellis und Chris Williams (20) gelangen ebenso viele Punkte wie allen Berlinern zusammen. Das Trio stand zwischen 37 und 38 Minuten auf dem Feld, länger als jeder Berliner, zeigte aber keinerlei Erschöpfungserscheinungen.

Dabei hatte Frankfurt gegen Quakenbrück im Viertelfinale fünf Spiele gebraucht, Alba gegen Ludwigsburg hingegen nur drei. Tatsächlich waren die Berliner frischer – aber nur in den ersten fünf Minuten. Angeführt von Matej Mamic führten sie schnell 13:4. Dann aber gönnte Rödl fast der gesamten Startformation um Mamic, Stanojevic, Brown und Garris die erste Verschnaufpause und schickte neben dem lange verletzten Demirel zahlreiche junge Profis aufs Feld: Martynas Mazeika, Sascha Leutloff und Szewczyk. Mit ihnen kam Alba aus dem Konzept, lag nach zehn Minuten 18:19 zurück. Auch die erste Fünf fand gegen die sehr stark verteidigenden Frankfurter nicht zurück zum Rhythmus vom Anfang. Der Rückstand wuchs auf bis zu 20 Punkte (50:70). „Ich bin überrascht, dass wir nicht mehr ins Spiel gefunden haben“, sagte Rödl. Pascal Roller bescheinigte er „eine der perfektesten Halbzeiten, die ich je gesehen habe“.

Rödl hat seit der Übernahme des Cheftrainerpostens Anfang des Jahres häufig schon im ersten Viertel viel gewechselt. Die Spieler der ersten Reihe sparten Kräfte und waren am Ende frischer als der Gegner. So war es auch im Viertelfinale gegen Ludwigsburg. Doch gegen den Deutschen Meister funktionierte diese Taktik nicht. Alba gewann zwar das Rebound-Duell, hatte aber die schlechtere Wurfquote (42 Prozent, Frankfurt: 52 Prozent) und war an der Freiwurflinie unsicherer. Neunmal zeigten die Berliner dort Nerven, nur dreimal die Frankfurter. In der ersten Halbzeit verwandelten die Gäste alle zwölf Freiwürfe. Das, obwohl die Berliner Fans sie genauso auspfiffen wie das Schiedsrichter-Gespann um Boris Schmidt, das in der ersten Halbzeit eine strenge Linie verfolgte. „Das waren drei der besten Schiedsrichter Deutschlands, an ihnen lag es nicht, dass wir Probleme in der Offensive hatten“, sagte Rödl.

Erst nach Spielende meldeten sie sich die Fans wieder. Doch diese Pfiffe galten vermutlich nicht nur den Schiedsrichtern – sondern auch dem eigenen Team.

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