Sport : Aus dem Nichts in die Unsterblichkeit

Das Geheimnis der Torjäger? Im richtigen Moment am richtigen Ort sein und blitzschnell das Richtige tun Durch WM-Tore werden auch mäßig Begabte zu Legenden

Sven Goldmann

Gerd Müller hat das Geheimnis eines erfolgreichen Stürmers einmal so beschrieben: „Du musst nicht am Torwart vorbeizielen, sondern ins Tor.“ Noch immer ist ein Tor der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Stürmer. Fleißige Angreifer wie der Deutsche Jürgen Klinsmann bekommen Anerkennungspreise, ihre effizienten Kollegen wie Müller werden unsterblich.

Faulheit, vergebene Chancen, schlechte Ballannahme – dem Stürmer verzeiht man vieles, wenn er nur im richtigen Augenblick ins Tor trifft. Ewigen Ruhm aber erhält er erst, wenn auch der Erfolg der Mannschaft dazukommt. Der Argentinier Alfredo di Stefano wird bei Real Madrid als bester Stürmer aller Zeiten verehrt, doch die Krönung bei einer WM blieb ihm versagt. Di Stefano war nie dabei beim Treffen der Besten, weil sein Heimatland zunächst aus isolationistischen Bestrebungen 1950 und 1954 auf eine Teilnahme verzichtete. Später, nach seinem Wechsel zu Real, wollten ihn die Argentinier nicht mehr. 1962, mittlerweile spanischer Staatsbürger, saß di Stefano bei der WM in Chile nur auf der Bank.

Wer erinnert sich heute noch an den Brasilianer Leonidas, den ersten stürmenden Weltstar? Leonidas schoss in fünf WM-Spielen vor dem Krieg sieben Tore, es wären vielleicht noch mehr geworden, wenn die Schiedsrichter ihn immer so hätten spielen lassen wie er wollte, nämlich barfuß. Um den postumen Ruhm brachte ihn ein arroganter Trainer, der Leonidas 1938 im Halbfinale gegen Italien draußen ließ, weil er für das Endspiel geschont werden sollte. Die bis dahin überragenden Brasilianer verloren 1:2 und reisten ohne Titel und mit einem frustrierten Leonidas nach Hause. Ein gewisser Zizinho gilt, trotz der Konkurrenz von Ronaldo, Romario oder Garrincha, immer noch als einer der besten brasilianischen Stürmer aller Zeiten. Doch seine Karriere wird entwertet durch sein Versagen beim 1:2 1950 gegen Uruguay, das Brasilien vor 200 000 Zuschauern in Rio die sicher geglaubte Weltmeisterschaft kostete.

Zizinho war ein besserer Fußballer als der Deutsche Rahn, aber den kennt jedes Kind, weil er 1954 das 3:2 im WM-Finale gegen die Ungarn schoss. Gerd Müller ist für immer eins mit seiner schnellen Drehung vor dem 2:1 1974 gegen Holland. Der Engländer Geoff Hurst und der Argentinier Mario Kempes waren eher mäßig begabt, aber ihre Tore in den WM-Finals 1966 gegen Deutschland und 1978 gegen Holland garantieren ihnen Popularität über den Sport hinaus.

Wer nicht Weltmeister wurde, musste schon Außergewöhnliches vorweisen, um Spuren für die Ewigkeit zu hinterlassen. Zum Beispiel vier Tore in einem WM-Viertelfinale erzielen, wie es dem Portugiesen Eusebio 1966 in England gelang. Oder aus dem Nichts einen Rekord für die Ewigkeit aufstellen, dafür steht der Franzose Just Fontaine mit seinen 13 Toren bei der WM 1958 in Schweden, seiner ersten und einzigen. Oder einen krassen Außenseiter wie Polen als WM-Torschützenkönig auf Platz drei zu schießen, bleibendes Verdienst des Polen Grzegorz Lato 1974 in Deutschland.

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