Sport : Aus dem Sprüchekabinett

Die Gladbacher üben sich in Durchhalteparolen

Oliver Trust

Nürnberg. Ratlosigkeit hat viele Gesichter. Das von Jörg Stiel sah grantig aus. Dem Torwart von Borussia Mönchengladbach fiel in seiner Verzweiflung nur ein einziger Ratschlag ein. „Vielleicht sollten wir mal ein Tor mehr schießen als die anderen", sagte er. Die Gladbacher haben es wieder nicht geschafft. 1:2 in Nürnberg – Rang 16, Abstiegsplatz und vielleicht Krise nach der fünften Niederlage im sechsten Spiel.

Wie überall klangen die Lieder der Kellerkinder vom Niederrhein wenig überzeugend. „Wir können alles korrigieren“, sagte ihr Trainer Hans Meyer. Vielleicht Mittwoch im Pokal auf Schalke, „da haben wir immer gut ausgesehen“, sagte der als Linksaußen gescheiterte Markus Münch. „Ich bin überzeugt, der Kader ist stark genug, in der Liga zu bleiben“, sagte Sportdirektor Christian Hochstätter. In Windeseile bedienten sich die Verlierer vom Bökelberg im Sprüchekabinett für schwere Tage. Als gelte es, laut in den dunklen Wald zu pfeifen, erinnerten sie sich an bessere Zeiten, „als wir richtig guten Fußball gespielt und gute Ergebnisse geholt haben“ (Münch).

Wirkliche Zuversicht sieht anders aus, und so ahnte Münch, „dass das Umfeld im Verein jetzt sicher nervös wird. Es gab ja einige, die nach den Erfolgen am Anfang gleich von höheren Zielen gesprochen haben.“ Der Trainer Hans Meyer hat nie zu denen gehört, die die Zukunft in rosarote Farben kleideten. „Wenn wir drin bleiben, können wir alle froh sein“, sagte er. Noch im Frankenstadion nahm er sich vor, an seinem 60. Geburtstag ein guter Schauspieler zu sein. „Sie können davon ausgehen, dass meine Enkel nicht merken, dass ihr Opa ganz miese Laune hat“, sagte Meyer.

Die Chancenverwertung des Konkurrenten, so stellte das Club-Magazin des 1. FC Nürnberg spöttelnd fest, liege bei 18,2 bescheidenen Prozent. Darüber würde sich wohl nur Guido Westerwelle mit seiner FDP freuen. In der Bundesliga sorgt diese Quote für wenig Freude. „Wir müssen jetzt schauen, dass die Spieler nicht die Nerven verlieren“, sagt Sportdirektor Hochstätter. Und Meyer gab verbindliche Verhaltensrichtlinien für die nächsten Tage heraus. „Ich hoffe, die Spieler lesen nicht all die bunten Blätter“, sagte er. Und: „Ich hoffe, sie lassen sich nicht anstecken.“

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