Sport : Aus der Grauzone

Die German Open sollen attraktiver werden

Frank Bachner

Berlin - Die letzte Nachricht aus Las Vegas, aus dem Hause Graf/Agassi: Steffi Graf entwirft mit Gatte Andre Agassi Designermöbel und fotografiert leidenschaftlich gern ihre beiden Kinder. Sie hat ihr Tennisleben hinter sich gelassen, sie vermisst es auch nicht. Das hat sie gerade dem „Stern“ erklärt, Anfragen bei ihr sind also zwecklos. Sie wird 2008 in Berlin nicht beim Nostalgieturnier für frühere Tennis-Größen antreten.

Aber sie werden schon genügend Altstars finden, die haben schließlich eine wichtige Aufgabe. Dass eine Seniorenmeisterschaft die German Open 2008 aufpeppen soll, immerhin das größte Frauen-Tennisturnier in Deutschland, ist allerdings bemerkenswert. Etwas anderes ist Scheich Mohamed Bin Faleh Al-Thani, dem Präsident des Tennisverbands von Katar, und seinen Mitarbeitern in der vergangenen Woche aber nicht eingefallen. Den Katari gehören die German Open, und die Freude von Scheich Mohamed und Turnierdirektor Ayman Azmy über insgesamt 38 000 Zuschauer hielt sich in überschaubaren Grenzen. Das waren 10 000 weniger als 2006, und natürlich hat das auch mit dem Regen zu tun.

Das liegt aber auch daran, dass FrauenTennis zum sportlichen Durchschnittsprodukt verkommen ist. Jedenfalls in Deutschland. Und solange die beste Deutsche in Berlin die dritte Runde nicht übersteht, wird sich daran nichts ändern. Beste Deutsche ist im Übrigen gerade Martina Müller, Nummer 37 der Weltrangliste. Die bekannteste deutsche Spielerin ist Anna-Lena Grönefeld, aber die verdankt diesen Ruf ihren Gewichtsproblemen und diversen Streitfällen. Grönefeld flog in der ersten Runde raus.

Die Halbfinalpartien lauteten: Ivanovic (Serbien) – Wakulenko (Ukraine) und Kusnezowa (Russland) - Henin (Belgien). Das mag das Fachpublikum interessieren, die Masse lockt’s nicht, selbst wenn Henin Weltranglistenerste ist. Zudem ist der Masse schwer vermittelbar, dass man im Frauen-Tennis mit geschätzt zehn Kilogramm Übergewicht auf Rang drei der Weltrangliste kommen kann. Kusnezowa (1,74 m, 73 kg) unterlag im Finale Ivanovic auch deshalb, weil sie von ihrem Halbfinal-Auftritt am Sonntag Vormittag, gegen Henin erschöpft war. Der hatte 30 Minuten gedauert.

Die Bemühungen der müden Russin sah allerdings kaum jemand. Bei tristen 3,5 Prozent lag die Quote bei der Live-Übertragung des Finals im RBB, die Hälfte der RBB-Durchschnittsquote. Aber wenigstens übertrug der Sender wieder live, 2006 hatte er noch dankend verzichtet. „Die German Open sind ein wichtiges Sportereignis in Berlin, sie waren 2007 besonders hochkarätig besetzt deshalb haben wir wieder übertragen“, sagt RBB-Sportreporter Michael Mannteuffel. Und im Moment treiben die Quoten die RBB-Experten noch nicht in die Flucht. „Wir warten die Entwicklung ab, dann wird entschieden, ob wir auch 2008 übertragen.“

Die Katari werden auch 2007 ein Minus bilanzieren. Sie wollen bleiben, das sagt Scheich Mohamed immer wieder, aber „damit das Turnier überlebt, brauchen wir mehr Engagament von lokalen oder nationalen Sponsoren“. Titelsponsor ist „Qatar Telecom“, zu den Premium-Werbepartnern gehören weitere katarische Firmen. „Total Deutschland“ hat sich dagegen erstmal zurückgezogen.

Ob aber ausgerechnet Seniorinnen das Turnier aufpeppen, ist fraglich. Mannteuffel jedenfalls reagiert zurückhaltend. „Wir bewerten aktuellen Sport höher als Nostalgiespiele.“ Populär ist die frühere Weltranglistenerste Graf beim deutschen Publikum zwar allemal. Nur in einer völlig anderen Rolle. Fast drei Viertel aller Mütter, ergab eine aktuelle Studie, betrachten Steffi Graf als ihr Vorbild.

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