Aus für Fenerbahce in der Europa-League : Selbst Orhan Pamuk war machtlos

Nach dem 1:3 im Rückspiel in Lissabon herrscht Enttäuschung beim türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul. Auch ein fußballverrückter Nobelpreisträger konnte die Niederlage nicht abwenden.

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Endstation Lissabon: Benficas Verteidiger Andre Almeida (M.) jubelt über den Finaleinzug seines Teams. Fenerbahces Spieler sind am Ende.
Endstation Lissabon: Benficas Verteidiger Andre Almeida (M.) jubelt über den Finaleinzug seines Teams. Fenerbahces Spieler sind...Foto: AFP

Selbst der Nobelpreisträger konnte nicht helfen. Seit seinem siebten Lebensjahr sei er Fan von Fenerbahce Istanbul, gab der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk vor dem Europaliga-Halbfinale der Istanbuler bei Benfica Lissabon am Donnerstagabend zu Protokoll. Er zittere dem Spiel entgegen und hoffe auf den historischen Erfolg des Final-Einzugs. Doch es half nichts. Nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel unterlag Fenerbache mit 3:1 und musste die Hoffnungen auf das Endspiel in Amsterdam am 15. Mai begraben. Am Tag danach herrschte Enttäuschung, sogar die Kurse von Fenerbahce an der Istanbuler Börse gerieten ins Rutschen.

 Aus der Ferne bekundete der in der Türkei immer noch hoch angesehene Alex de Souza sein Bedauern. Die Twitter-Mitteilung des Brasilianers, der Fenerbahce wegen Querelen mit Trainer Aykut Kocaman verließ und derzeit bei Coritiba in seinem Heimatland spielt, wurde von mehreren tausend türkischen Twitter-Nutzern weitgergeleitet. Die Frage nach seiner Rückkehr beantwortete der Spielmacher mit einem klaren Nein.

 Dabei wünscht sich so mancher Fenerbahce-Fan, dass Souza oder ein anderer endlich Ordnung ins Spiel des Traditionsvereins bringt. Wieder einmal habe Fenerbahce die Zeche für individuelle Fehler in der Abwehr bezahlt, analysierte der Kolumnist Ugur Meleke am Freitag in der Zeitung „Milliyet“.

 Nun fragen sich alle, wie es mit Fenerbache weitergeht. Die Meisterschaft kann der Verein wohl abschreiben: Drei Spieltage vor Saisonende liegt Fenerbahce sieben Punkte hinter dem Lokalrivalen Galatasaray Istanbul.

 Melekes Kollegen Tayfun Bayindir von der Zeitung „Vatan“ forderte als Konsequenz aus dem versiebten Halbfinale einen radikalen Neuanfang bei Fenerbahce. Der Verein, der in Lissabon wegen Gelber Karten und Verletzungen auf mehrere Stammspieler verzichten musste, habe zu wenig hochklassige Spieler, schrieb Bayindir. Neue müssten hinzukommen, um schwache Positionen besser zu besetzen. Die Schwachstellen benannte er mit dem 19-jährigen Salih Ucan und Mittelfeldspieler Caner Erkin. Auch die „Einsamkeit“ von Angreifer Moussa Sow sei einer der Gründe für die Niederlage gewesen.

 Viel Kritik richtete sich gegen Trainer Kocaman, der nach einigen Misserfolgen bereits Ende vergangenen Jahres zurücktreten wollte und von der Vereinsführung zum Weitermachen überredet wurde. Doch auch Grundsätzliches wurde am Tag nach der Niederlage von Lissabon diskutiert. In Portugal sei das typisch türkische Fußballverständnis bei Auswärtsspielen zu sehen gewesen, das auf ein Unentschieden und Risikovermeidung ausgerichtet sei und das auf der europäischen Bühne regelmäßig Schiffbruch erleide, schrieb ein Fan in einem Internetforum.

 Doch vielleicht lag es einfach daran, dass die Erwartungen überzogen waren, meinte ein anderer. Das Erreichen des ersten europäischen Halbfinales in der Geschichte von Fenerbahce sei doch Erfolg genug, schrieb er. Alles andere sei ohnehin unrealistisch gewesen.

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