Aus für Klaus Allofs beim VfL Wolfsburg : Entlassung nach der Weihnachtsfeier

Der VfL Wolfsburg trennt sich von Geschäftsführer Klaus Allofs – und hat keinen Plan B für die Zukunft.

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Allofs: 'Diese Mission legt man nicht gerne nieder'
Allofs: 'Diese Mission legt man nicht gerne nieder'

Die Weihnachtsfeier des Vereins hatte er noch lächelnd überstanden. Der trainingsfreie Montag direkt danach sollte dazu genutzt werden, um Zeit zu gewinnen. Doch was auch immer Klaus Allofs in seiner Rolle als Geschäftsführer des VfL Wolfsburg noch unternehmen wollte – der Aufsichtsrat hat ihm nicht mehr zugetraut, zur Besserung beizutragen. Seine am Montag bestätigte Entlassung nach fast vier Jahren bei den Niedersachsen trifft einen der großen Fachmänner der Bundesliga. Mit ihm wollte der Volkswagen-Konzern, der den VfL Wolfsburg finanziert, möglichst weit nach oben. Ob der Verein im Zuge der weltweit greifenden VW-Krise künftig ohne Allofs einen Gang zurückschaltet, bleibt eine für den deutschen Profifußball wichtige Frage.

In dieser leicht verrückten Branche, in der ständig jemand scheitert, weiterzieht oder nachrückt, klingt eine solche Entlassung zunächst alltäglich. Dass aber einer wie Allofs im bezahlten Fußball abserviert wird, kann nicht als normale Personalrochade eingestuft worden. Innerhalb von zweieinhalb Jahren hatte es der frühere Nationalspieler seit Ende 2012 geschafft, den Fußball-Standort Wolfsburg netter, anerkannter und sympathischer zu machen. Dass ihm die Dinge in den vergangenen anderthalb Jahren dann entglitten sind, bleibt auch eng mit der VW-Krise verbunden. Im Konzern wird tüchtig gespart, umgestülpt und bereinigt. Also haben dessen Manager, die den Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg Fußball GmbH dominieren, auch bei ihrem Verein genauer hingeschaut.

Auf ihrer Mängelliste, die am Ende zur Entlassung von Allofs geführt haben, stehen unter anderem: sportlicher Abwärtstrend, missglückte Personalentscheidungen und zwielichtige Geschäftspraktiken. Im Grunde ist der aktuelle sportliche Absturz in den Abstiegskampf die beste Gelegenheit, um einen Schnitt zu machen und etwas zu korrigieren. Denn in der öffentlichen Wahrnehmung war längst das Bild entstanden, dass nicht VW als Anteileigner, sondern der Angestellte Allofs den VfL dirigiert.

Das war schon alles mit Fußball. Nach fast vier Jahren bestätigte der VfL Wolfsburg die Trennung von Geschäftsführer Klaus Allofs.
Das war schon alles mit Fußball. Nach fast vier Jahren bestätigte der VfL Wolfsburg die Trennung von Geschäftsführer Klaus Allofs.Foto: Imago/Schroedter

Am Ende stolperte Allofs über die Personalie Draxler

Es muss Allofs sehr viel Kraft gekostet haben, bis zuletzt kämpferisch und voll motiviert zu wirken. Wie tief der Graben zwischen ihm und VW schon geworden ist, durfte natürlich niemals laut gesagt werden. Seine Nähe zu dem zwielichtigen Berater Giacomo Petralito hatte Revisionsexperten bei VW auf den Plan gerufen. Ob Allofs zu seiner Zeit bei Werder Bremen dubiose Geschäfte mit Briefkastenfirmen rund um das Arbeitsverhältnis des Verteidigers Naldo anzulasten sind, ist das nächste pikante Thema.

Meistens hat es der versierte Fachmann geschafft, selbst schärfste Kritik an seiner Person von sich zu weisen – mit Argumenten, viel Charme und Erfolgen, wie dem Pokalsieg 2015. Aber dass ein millionenschwer bestückter Verein bis an den Abgrund zur Zweiten Liga abrutschen konnte, bleibt als Fiasko bewerten. Dafür büßte erst Cheftrainer Dieter Hecking und jetzt auch Klaus Allofs. Wie genau der Plan B von VW für den VfL ausfällt, ist noch nicht bekannt.

Beim Blick zurück auf die Ära von Allofs in Wolfsburg bleibt auffällig: Sein Netzwerk hat bis zuletzt funktioniert. Es hat Transfers ermöglicht, die einerseits teuer erkauft, aber eben auch im Verborgenen eingefädelt werden mussten. Zuletzt aber gerieten die Dinge aus den Fugen. Mit Hilfe von Julian Draxler und ein wenig Beiwerk hatte Allofs geglaubt, den Verkauf des überragenden Mittelfeldspielers Kevin De Bruyne kompensieren zu können. Dass ausgerechnet dieser 34 Millionen Euro teure Profi als zentrale Verstärkung nicht ins Gefüge passte, hat so manches durcheinandergebracht. Seit Draxlers Interview im Sommer, als er einen Abschied forcieren wollte und seine Vorgesetzten der Lüge bezichtigte, war Allofs etwas Grundlegendes entglitten. Er konnte nicht mehr plausibel erklären, warum der teuerste Einkauf in der Vereinsgeschichte sportlich wie zwischenmenschlich eine Fehlentscheidung war.

Für die letzten beiden Spieltage vor der Winterpause darf ein komisches Gefühl prognostiziert werden. Wann immer es um den VfL ging und zu dessen Ehren eine Fernsehkamera eingeschaltet wurde, stand Allofs im Rampenlicht. Sein Schatten ist so lang geworden, dass ihm wohl gleich zwei Verstärkungen folgen müssen, damit es sinnvoll weitergeht. Einerseits benötigt der VfL Wolfsburg einen ersten Repräsentanten, der den Verein gut vertritt. Andererseits fehlt es an einem Sportdirektor, der es schafft, mit weniger Geld mehr als zuletzt Allofs zu bewegen. Die verunsicherten Wolfsburger Spieler haben durchblicken lassen, dass sie sich in der Ära nach Allofs über einem verlässlichen Ansprechpartner auf Augenhöhe freuen würden.

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