Sport : Ausgang: Ungewiss

Eine Tankpanne in Abu Dhabi könnte Sebastian Vettel den Titel kosten – von welchen Faktoren der Ausgang der Formel-1-Weltmeisterschaft noch abhängt.

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Geliebt gegen respektiert. Sebastian Vettel (l.) und Fernando Alonso sind nicht nur im Umgang mit ihren Mechanikern sehr unterschiedliche Typen. Der Deutsche kritisiert ausschließlich intern, der Spanier motzt dagegen auch gern mal öffentlich. Fotos: dapd, Reuters
Geliebt gegen respektiert. Sebastian Vettel (l.) und Fernando Alonso sind nicht nur im Umgang mit ihren Mechanikern sehr...

Drei Rennen vor dem Saisonende in der Formel 1 führt Sebastian Vettel mit 13 Punkten Vorsprung vor Fernando Alonso. Doch der Spanier ist längst nicht geschlagen. Weil Vettel in Abu Dhabi (13.30 Uhr, live bei RTL) von ganz hinten aus der Boxengasse starten muss (siehe Kasten), könnte Alonso der große Gewinner des Wochenendes sein. Von welchen Faktoren hängt der Ausgang der Weltmeisterschaft außerdem ab? Ein direkter Vergleich der beiden Konkurrenten.

DIE FAHRER

Psyche: So stark wie Sebastian Vettel ist kein anderer – sämtliche Irritationsversuche der Konkurrenz prallten bisher ab am Heppenheimer. Selbst nach seiner Rückstufung auf den letzten Startplatz in Abu Dhabi blieb er ruhig. „Ich bin zwar enttäuscht, aber es bringt nichts, sich jetzt aufzuregen. Ich muss das Beste daraus machen. Es ist immer noch alles möglich“, sagte Vettel. Bei Alonso dagegen waren zuletzt immer wieder Anzeichen von Nervosität festzustellen. Unter anderem fiel er durch martialische Twittereinträge mit Bezug auf die japanische Samurai-Kultur auf.

Politik und Führungsstil: Jahrelang galt Alonso als gewieftester Politiker im Fahrerlager. Hin und wieder steht sich der Spanier mit seinen Emotionen jedoch selbst im Weg. Die lautstarke wie öffentliche Kritik an mangelhaften Fortschritten bei Ferrari kam intern jedenfalls nicht gut an: So macht man sich unter den Ingenieuren und Mechanikern keine Freunde. Als es bei Red Bull nicht so gut lief, kritisierte Vettel zwar ebenfalls – aber nur intern. Aktuell lobt er geradezu überschwänglich bei jeder Gelegenheit die Arbeit des Teams. Das kommt an – und macht stark.

Perfektion und Speed: In diesem Punkt stehen sich die wohl besten und komplettesten Formel-1-Piloten in nichts nach. Alonsos immer noch etwas größere Erfahrung macht Vettel im Idealfall durch ein ganz kleines bisschen mehr Geschwindigkeit wett. In Sachen Rennintelligenz und Übersicht sind beide absolut gleichwertig.

DAS AUTO

Speed im Qualifying: Vettels „Abbey“ ist gegenüber dem Ferrari von Alonso eindeutig im Vorteil. „Das Qualifying ist unser größtes Problem“, hat der Spanier mehrfach festgestellt, ohne dass sich daran in letzter Zeit irgendetwas geändert hätte.

Speed im Rennen: Da ist der Ferrari meist näher dran als im Qualifying – aber Vettel quetscht den Red Bull mit Sicherheit nicht komplett aus, sondern fährt oft nur so schnell, wie er muss.

Zuverlässigkeit: Alonso hatte in dieser Saison noch keinen technisch bedingten Ausfall – Vettel dagegen schon zwei, die beiden Lichtmaschinendefekte in Valencia und Monza. Renault kann zudem in den letzten beiden Rennen nicht mehr auf die alten Typen aus dem Vorjahr zurückgreifen, die man nach den Defekten verwendete – es gibt keine mehr davon. Man muss auf die überarbeitete neue Version setzen und hoffen, dass jetzt mit dieser auch wirklich alles passt.

Entwicklung: Red Bull bringt zuletzt bei jedem Rennen neue Teile, die auch funktionieren. Bei Ferrari werden zwar auch immer wieder Updates angekündigt, die dann aber mit schöner Regelmäßigkeit weniger bringen, als erhofft.

DAS TEAM

Stellung der Titelkandiaten: Vettel wird von seinem Team geliebt, wohl wissend, dass er letztlich die Erfolge einfährt. Da darf er es sich schon einmal erlauben, mit einer unnötigen schnellsten Rennrunde am Schluss seine Bosse zu ärgern. Bei Ferrari dreht sich ohnehin alles um Alonso, allerdings wird der introvertierte Spanier mehr respektiert als geliebt.

Teamkollege: Felipe Massa stellt sich hundertprozentig in den Dienst von Alonso. Mark Webber war zwar bei den letzten Startduellen gegen Vettel auch immer sehr brav, eine hundertprozentige Nummer zwei wie Massa ist er trotzdem nicht.

Strategien und Boxenstopps: Große Pannen gab es in diesem Jahr bei keinem Team – bis Red Bull jetzt das Tankdesaster unterlief. Ferrari wittert seine Chance. Eine Panne wie 2010, als man in Abu Dhabi den Titel verspielte, weil man nur auf Webber schaute und dessen Strategie kopierte, dafür aber Vettel außer Acht ließ, wird den Roten nicht mehr passieren.

DAS RESTPROGRAMM

Abu Dhabi: Alonso auf dem Wüstenkurs nie der Schnellste, aber durch Vettels Rückversetzung ist er klar im Vorteil.

USA/Austin: Ein neuer Kurs, auf dem die Formel 1 noch nie gefahren ist – das war in den vergangenen Jahren grundsätzlich immer Vettel-Land. „In Austin kann gar niemand anderes als Sebastian gewinnen“, glaubt Jenson Button. Und Ex-GP-Pilot Alexander Wurz, der mit Hermann Tilke den Kurs entwarf, sieht es ähnlich, „weil es wieder eine Strecke ist, wo es auf Downforce ankommt“.

Brasilien: Die Berg- und Talbahn von Interlagos könnte dem Ferrari mindestens genauso entgegenkommen wie dem Red Bull, außerdem ist die Technik in der Höhe von Sao Paulo (800 Meter) manchmal ein wenig anfälliger.

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