Sport : Ausgesprochen mutig

Borussia Dortmund hält durch das 1:0 im Spitzenspiel bei Bayern München die Liga spannend

Carsten Eberts[München]
Wir kriegen euch noch. Dortmunds Mario Götze (Mitte) bejubelt sein Tor in München. Foto: dpa
Wir kriegen euch noch. Dortmunds Mario Götze (Mitte) bejubelt sein Tor in München. Foto: dpaFoto: dpa

Am Ende ballerten die Münchner nochmal, aus allen Lagen, von überall her. Der eingewechselte Ivica Olic versuchte es, auch der nach ihm gekommene Nils Petersen, Chefstürmer Mario Gomez sowieso. Mit drei Angreifern drängten die Bayern in den letzten Minuten des Spitzentreffens auf den Ausgleichtreffer, doch immer schaffte es ein Dortmunder, seinen Körper in letzter Sekunde in die Münchner Schüsse zu werfen. So blieb es beim nicht unverdienten 1:0 (0:0)-Sieg von Meister Borussia Dortmund beim Tabellenführer in München, was der Bundesliga vor allem die Gewissheit gibt: Die Saison ist doch noch nicht entschieden. Und die Bayern werden, vielleicht, doch nicht wie selbstverständlich Deutscher Meister.

Erst im Februar hatte der BVB in München einen großen Fußballtag erlebt. Die Dortmunder gewannen in einem hochklassigen Spiel 3:1 und machten den ersten richtig großen Schritt zur deutschen Meisterschaft. Und das, obwohl Bayern-Präsident Uli Hoeneß eine Bayern-Niederlage für „völlig ausgeschlossen“ gehalten hatte. Neun Monate später ist dem BVB dieses Kunststück nun erneut geglückt. „Das war sehr, sehr wichtig für uns“, sagte Nationalspieler Mario Götze, „schließlich haben wir mit den Spielen gegen Arsenal und Schalke eine sehr schwere Woche vor uns.“ Götze hatte die Partie mit seinem Tor in der 65. Minute entschieden. In der Tabelle rückt Dortmund damit bis auf zwei Punkte an den Rekordmeister heran. Der befürchtete Acht-Punkte-Vorsprung der Bayern ist nicht Wirklichkeit geworden.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes hatte seine Aufstellung für das Spitzentreffen kräftig modifiziert. Er beorderte Toni Kroos zurück auf die Sechserposition, Thomas Müller rückte dafür in die offensive Zentrale. Müllers freie Planstelle über Rechts nahm ein Langzeitverletzter ein: Arjen Robben. Der wurde zwar schon beim Verlesen der Aufstellung frenetisch gefeiert, im Spiel gelang ihm jedoch nicht viel: Robben rannte sich in den meisten aller Fälle fest, häufig an Marcel Schmelzer, der den Niederländer ausgesprochen gut im Griff hatte. „Ich hatte wenig Probleme“, erklärte Robben später die Frage nach seinem Gesundheitszustand: „Aber es war ein Spitzenspiel, das wird durch sehr kleine Details entschieden. Dortmund hat sehr aggressiv verteidigt. Uns hat heute ein bisschen was gefehlt.“

Tatsächlich war von Beginn an zu sehen, dass Dortmund sich anders präsentierte, als die meisten Bayern-Gegner in dieser Saison: Der BVB agierte ausgesprochen mutig, setzte den Bayern im Spiel gegen den Ball enorm zu. Und vor allem: Die Dortmunder fingen sich kein frühes Tor, wie so viele Mannschaften zuvor. Die Bayern konnten ihr Offensivspiel nicht wie gewohnt aufziehen, erst in der 22. Minute kam Toni Kroos zu einer Halbchance, sieben Minuten später schoss Franck Ribéry im Strafraum, aber deutlich über das Tor. Gar nicht ins Spiel fand Mario Gomez: Bei der Nationalelf hatte er zuletzt 90 Minuten lang auf der Bank gesehen und Konkurrent Miroslav Klose beim Toreschießen zugesehen. An diesem Tag hatten ihn die Dortmunder Innenverteidiger Mats Hummels und Felipe Santana auffallend gut im Griff.

Die Partie spielte sich zu großen Teilen im Mittelfeld ab, wo die Sechserduos Kroos/Gustavo und Kehl/Bender aufeinanderprallten. Taktisch war dies auf höchstem Niveau, echte Höhepunkte in Form von Torchancen ergaben sich jedoch nicht. Dass das Tor des Tages für Dortmund fiel, war jedoch folgerichtig. Schon in der 58. Minute musste Bayern-Keeper Manuel Neuer in höchster Not gegen Shinji Kagawa retten. Kurz darauf war er dann machtlos: Weil sich Innenverteidiger Jerome Boateng einen kurzzeitigen Tiefschlaf gönnte und desorientiert war, kam Götze überraschend ein paar Meter vor dem Tor an den Ball und vollstreckte mit einem Schuss ins linke untere Eck.

Die Dortmunder jubelten, die Münchner grämten sich. „Wir haben eine große Chance vergeben“, erklärte Bayern-Kapitän Philipp Lahm enttäuscht: „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, Dortmund hatte seine Chance aus dem Nichts.“ Ganz so unterlegen hatten viele Beobachter den Deutschen Meister aus Dortmund an diesem Abend jedoch nicht gesehen.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben