Auslaufen mit Lüdecke : Bayerns Ansehen ist in Gefahr

Bayern München ist immer noch nicht Meister. Deswegen werden neue Task Forces eingerichtet und neue BVB-Spieler gekauft, erklärt unser Kolumnist.

Frank Lüdecke
Pep Guardiola kann noch nicht feiern.
Pep Guardiola kann noch nicht feiern.Foto: dpa

Ooouh, das waren schlimme Stunden in München. Ganz schlimme! Während am Marienplatz die Transparente wortlos eingerollt wurden, verstaute man im Stadion die Meistertrikots wieder zurück in ihre Kisten. Zumindest der Champagner wurde dem Vernehmen nach aus Kulanzgründen von Feinkost-Käfer zurückgenommen.

Was blieb, war eine große Leere. Erste Vermutungen kamen auf. Sind möglicherweise die Punkte falsch addiert worden? In der Ludwig-Maximilians-Universität, Fachbereich Statistik, wurde unverzüglich eine Task Force „Meisterschaft“ eingerichtet. Noch in der Nacht durchliefen sämtliche Spielergebnisse der Münchener verschiedenste Differenzialprogramme und wurden noch einmal genauesten Überprüfungen unterzogen.

Am frühen Morgen stand das erschütternde Ergebnis fest: Der FC Bayern ist immer noch nicht Meister! Zwei Spieltage vor Schluss! Sie können tatsächlich noch von Borussia Dortmund eingeholt werden.

Was für eine Blamage! Mittlerweile hat die Angelegenheit politische Dimensionen angenommen. Keine Frage, das Ansehen Bayerns steht auf dem Spiel. Noch in der Nacht wurde der Vorstandsvorsitzende der Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, direkt in die bayerische Staatskanzlei bestellt. Man erwartete Antworten. Die Verpflichtung des Dortmunder Kapitäns Hummels sei als Maßnahme allein nicht ausreichend. Es wurde hitzig. Rummenigge kündigte in einer ersten kämpferischen Stellungnahme an, in den nächsten zehn Jahren zu jeder Saison den aktuellen Dortmunder Kapitän sowie deren Mittelstürmer zu verpflichten. Die Politiker gaben sich mitnichten zufrieden. Das sei zu kurz gedacht! Sie wollten auch den jeweiligen Dortmunder Spielmacher. Nach zähen Verhandlungen stimmte Rummenigge zu.

Am frühen Morgen schaltete sich Horst Seehofer ein. Ihm ging alles nicht weit genug. Ob man diesen Spanier mit dem unaussprechlichen Namen nicht sofort entlassen sollte. Er bliebe doch eh nur noch zwei Spiele oder so. Der Name Ottmar Hitzfeld fiel. Geld spiele keine Rolle. Man hätte im bayerischen Haushaltsetat einen Fonds für Katastrophenfälle. Dann zeigte der Alkohol erste Wirkungen. Seehofer regte plötzlich an, Borussia Dortmund komplett zu erwerben und mit einer Sondergenehmigung in der Regionalliga Bayern antreten zu lassen. Oder zu einer Volleyballmannschaft umzufunktionieren. Es müsse sich doch was machen lassen. Nach allem, was man bislang gehört hat, blieb Rummenigge eher skeptisch. Eine Stellungnahme des Deutschen Volleyballverbandes steht noch aus.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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