Auslaufen mit Lüdecke : Der HSV sieht rot - und will nicht mehr

Beim HSV geht es jetzt weniger um Punkte, sondern um Grundlegendes. Weil sein Team in elf Spielen fünf (!) Rote Karten erhalten hat, fordert der Trainer: „Nächste Woche muss mit elf Mann zu Ende gespielt werden.“

Frank Lüdecke
Du bist raus. So geht das beim HSV.
Du bist raus. So geht das beim HSV.Foto: imago/Contrast

Die Winterpause ist vorbei, aber sie war für die Spieler zu lang. Einige hatten noch Koordinationsprobleme und traten ihre Konkurrenten oder rissen sie am Trikot zu Boden. Diese Spieler mussten leider des Feldes verwiesen werden. Andere hatten über den Winter die komplizierten Regeln vergessen. Der Torwart von Eintracht Frankfurt nahm schon nach wenigen Sekunden außerhalb des Strafraums den Ball in die Hand. Kenner der Materie wissen: Das ist überhaupt nicht erlaubt. So musste Frankfurt sehr frühzeitig das Spiel mit weniger Akteuren bestreiten als der Gegner.

Eine Erfahrung, die der Hamburger Sport-Verein bestens kennt. Deshalb haben die Hanseaten reagiert und sich für die kommenden Wochen neue Ziele gesetzt. Es geht weniger um Ergebnisse oder Punkte, sondern um ganz Grundlegendes. Weil der HSV in den letzten elf Spielen fünf (!) Rote Karten erhalten hat, fordert Trainer Gisdol: „Nächste Woche muss mit elf Mann zu Ende gespielt werden.“ Das ist doch mal ein Wort! Manchmal erreicht man große Ziele in kleinen Schritten. Rechtzeitig zum Spiel da sein, das richtige Trikot anziehen und sich auf dem Platz den Regeln entsprechend verhalten. Das sind die Basics. Und je mehr Spieler der eigenen Mannschaft auf dem Platz stehen, desto größer die Chance, dass etwas Zählbares dabei heraus springt.

Bei der WM sollen demnächst an die 200 Mannschaften mitspielen, oder wie war das?

In der Winterpause hat der internationale Fußballverband übrigens über allerhand Regeländerungen nachgedacht und einige bereits beschlossen. Ich habe jetzt nicht die genauen Zahlen im Kopf, aber bei Weltmeisterschaften sollen demnächst an die 200 Mannschaften mitspielen, oder so. Fifa-Präsident Infantino hat das mit der Globalisierung begründet. Die Welt rückt zusammen und so muss es auch ein Gedränge bei der WM geben. Der Fußball soll alle Winkel der Welt erreichen, so dass wir demnächst auch Teams aus dem tropischen Regenwald oder der eurasischen Steppe erleben werden.

Aber auch die müssen die Regeln kennen – selbst wenn diese geändert werden. Das Abseits will man vielleicht abschaffen und vieles andere mehr. Es gab sogar die Idee, das Spiel mit weniger Akteuren zu bestreiten. Das wäre allerdings eine Katastrophe für den Hamburger Sport-Verein, dann hätten er noch weniger Spieler auf dem Platz. Sollte der HSV absteigen, bliebe noch eine neue sportliche Möglichkeit: Hamburg könnte sich zum Stadtstaat erklären und dadurch an der WM 2026 teilnehmen. In einer Gruppe mit der Mongolei, Tuvalu und den Marshall-Inseln.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga

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