Auslaufen mit Lüdecke : Herthas Spieler sind zu intelligent

Die Heimniederlage von Hertha BSC nimmt unseren Kolumnisten sehr mit. Und ihn verwundert eine angebliche Eigenschaft der Berliner Spieler.

Frank Lüdecke
Kann doch nicht wahr sein. Herthas Kapitän Fabian Lustenberger (links) kann auch nicht verstehen, was die Mannschaft abliefert.
Kann doch nicht wahr sein. Herthas Kapitän Fabian Lustenberger (links) kann auch nicht verstehen, was die Mannschaft abliefert.Foto: dpa

Keine ganz einfache Angelegenheit, die Glosse, diesmal. Wie Sie vielleicht wissen, führt meine emotionale Nähe zu einem Berliner Bundesligisten manchmal dazu, dass mir die Objektivität etwas flöten geht. Ich bin mir dieses Makels bewusst und trage ihn mit Würde. Aber – wie soll man nun das letzte Heimspiel gegen Darmstadt einer Erklärung zuführen?

Ich sehe da genau genommen zwei Möglichkeiten. Je nachdem, wie man durchs Leben geht. Man kann – wenn sich Dinge falsch entwickeln – in Sarkasmus und Trauer versinken. Oder aber man hat die Möglichkeit, die Wirrungen des Lebens auf ihre Komik abzuklopfen und alles insgesamt nicht zu ernst zu nehmen. Ich tendiere natürlich zu Letzterem. Ich habe Sandro Wagner in Berlin ein paar mal Fußball spielen sehen. Und es war mir ein Rätsel, wie man diesen Spieler jemals zu einem anderen Verein transferieren konnte. Um ehrlich zu sein, ich hatte immer den Eindruck, bei Sandro Wagner ist irgendetwas mit der Berufswahl schiefgelaufen.

Und nun das! 14 Tore für Darmstadt! Und natürlich der entscheidende Treffer gegen Hertha. Was auch sonst? Und danach Gelb-Rot. Klar. Jetzt wird sogar gemunkelt, englische Vereine bieten Millionensummen für ihn! Mit Abstand betrachtet ist das extrem witzig, was sich der Fußball da ausgedacht hat. Ich fürchte nur, wenn man im Stadion sitzt, hat man nicht die Antennen für so eine Pointe.

Trainer Pal Dardai hat seine Mannschaft diesmal nicht in Schutz genommen. Zu recht, wie ich finde. Allerdings, die Begründung für die Niederlage gäbe Anlass für tiefgreifende Diskussionen. Seine Spieler, so der Ungar, waren „zu brav, zu intelligent“. Zu brav – okay. Aber zu intelligent? An welche Spieler dachte er da genau? Und: Ist Intelligenz eigentlich hinderlich, im Profifußball? Bedeutet das im Umkehrschluss, dass Sandro Wagner nur deshalb getroffen hat, weil … aber lassen wir das. Auf dem Hertha-Trainingsgelände ist mir ein paar mal ein Transparent aufgefallen. Dort steht in großen Buchstaben: „Denke nicht lange nach – spiel!“ Ich weiß nicht von welchem Philosophen das Zitat stammt. Kant ist es, glaube ich, nicht. Vielleicht Sepp Herberger?

Ich möchte diese Grundsatzdiskussion hier auch nicht weiter ausführen, aber bei aller Enttäuschung über den Verlauf des Saisonendes kann man ruhig mal darauf hinweisen, dass andere Mannschaften noch intelligenter sind als Hertha. Stuttgart zum Beispiel. Die sind so intelligent, dass sie am letzten Spieltag den Abstieg nicht mal mehr nur aus eigener Kraft verhindern können. Und Bayern München ist mit einer Truppe von Unterbelichteten am Ende doch noch Meister geworden.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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