Sport : Australian Open: Film mit kleiner Besetzung

Jörg Allmeroth

Vor zwei Jahren kam Rainer Schüttler als strahlender Star eines Märchens aus Tausendundeiner Nacht, als Champion von Doha, ins ferne Melbourne und war von den Strapazen seines überraschenden Triumphzugs so ausgepumpt, dass er gleich sein Erstrunden-Spiel verlor. Vor zwölf Monaten erreichte Schüttler in dem arabischen Emirat wieder das Finale, hatte sich aber dann bei einem Geländewagen-Tripp in die Wüste verletzt, so dass er seine Zweitrunden-Partie bei den Australian Open angeschlagen aufgeben musste.

In der noch jungen Saison des Jahres 2001 läuft Schüttlers Tennis-Film etwas anders: Er fühlte sich bei den Scheichs am Golf nach eigenem Eindruck noch nicht so richtig in Schuss, schlug in Sydney dann jedoch verblüffend den Davis-Cup-Kollegen Tommy Haas auf dem Weg ins Viertelfinale. Aber voll und ganz kommt er erst jetzt und gerade rechtzeitig auf Touren, beim ersten Grand-Slam-Höhepunkt. Gestern erreichte der couragierte und konzentrierte Schüttler zum ersten Mal in seiner Karriere, durch den 6:4, 6:2, 7:5-Sieg über den Kanadier Daniel Nestor, das Achtelfinale bei einem der vier Topwettbewerbe.

Und Schüttler, der zähe, beständige Kämpfertyp, ist als letzter Deutscher in der Herrenkonkurrenz nun auch so richtig auf den Geschmack gekommen: "Das Turnier ist noch längst nicht gelaufen für mich", sagte der selbstbewusste Nordhesse, "jetzt geht es erst richtig los." Bei der Kür nach der schwierigen Pflicht der ersten sechs Australian-Open-Tage will er fighten: "Warum sollen mir jetzt nicht noch ein paar Überraschungen gelingen", fragte der 24-Jährige, "ich kann hier durchaus ein Riesending schaffen." Vielleicht schon in der nächsten Runde gegen den wieder erstarkten Spanier Carlos Moya, der den Australier Lleyton Hewitt mit 4:6, 6:1, 5:7, 6:2, 7:5 aus dem Rennen warf. Das fast vierstündige Duell unter geschlossenem Center-Court-Dach endete um 1.12 Uhr am Sonntagmorgen.

Nach einer ordentlichen Saison 2000 kann Schüttler nun schon in Melbourne seinem Ziel beträchtlich näher kommen, "bald an die Tür der ersten 20 bis 30 zu klopfen. Ich würde gerne noch etwas nach oben klettern in der Weltrangliste." Allerdings bleibt Schüttler auch so realistisch, um die Kräfteverhältnisse und die nationale Tennis-Hackordnung nicht wirklich in Frage zu stellen: "Kiefer und Haas sind die Nummer eins und zwei. Auch im Davis Cup", sagt Schüttler, "aber wenn sich mal einer verletzt, stehe ich bereit, um die Lücke zu füllen."

Für den Essener Lars Burgsmüller endete dagegen die Grand-Slam-Kampagne in Melbourne mit einer vernichtenden Drittrunden-Demütigung: "Wie von einer Dampfwalze überrollt", fühlte sich der überforderte Qualifikant bei der 1:6, 2:6, 1:6-Niederlage gegen den Engländer Greg Rusedski. Als vorletzte deutsche Frau verabschiedete sich auch die Heidelbergerin Marlene Weingärtner mit Respekt aus dem Damenwettbewerb: Gegen die ausdauerstarke Südafrikanerin Amanda Coetzer unterlag die 20-jährige mit 2:6 und 4:6.

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