Australian Open : Im Sog des kleinen Bruders: Beide Zverevs weiter

Philipp Kohlschreiber und die Zverev-Brüder haben in Melbourne die zweite Runde erreicht. Dem 29 Jahre alten Mischa Zverev gelingt damit der späte Neustart.

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Mischa Zverev in seinem Erstrundenmatch gegen den Spanier Garcia-Lopez.
Mischa Zverev in seinem Erstrundenmatch gegen den Spanier Garcia-Lopez.Foto: AFP

Mischa Zverev jubelte ausgelassen, und er hatte allen Grund dazu. Dabei schien er fast ein bisschen unspektakulär, dieser 6:3, 7:6, 6:4-Sieg über den Spanier Guillermo Garcia-Lopez. Eine von so vielen Partien eben in der ersten Runde der Australian Open. Dazu noch abgelegen auf Court 14, einem der engen Außenplätze im Melbourne Park. Doch für Zverev war es ein großer Sieg. Und als er auf dem Weg zurück in die Umkleideräume an Court 10 vorbeikam, wurde ihm das umso bewusster.

Auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte Zverev dort gespielt. Mit 19, als Qualifikant. Und es war bis Montag das letzte Mal gewesen, dass er in Melbourne in die zweite Runde einzog. Nur wenige Meter trennen die beiden Plätze und doch liegt fast eine ganze Karriere zwischen ihnen. Damals galt Zverev in Deutschland als eines der hoch gehandelten Tennistalente, und der Linkshänder schaffte es 2009 auch bis auf Platz 45 der Weltrangliste. Doch der Hamburger mit den russischen Wurzeln konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Zehn Jahre vergingen zwischen Verletzungen und Selbstfindung. Aber nun ist Zverev zurück, mit 29 Jahren. Er steht wieder unter den Top 50 und will es noch mal wissen.

Auch schwere Verletzungen hatten ihn lange gehandicapt

Er bedauere nichts, sagt Zverev. „Ich habe viel erlebt in den letzten zehn Jahren, auf dem Platz und vor allem außerhalb.“ Und das war ihm wichtig. Er wollte sich weiterentwickeln, seine Erfahrungen als junger Mensch sammeln und „nicht erst mit 35 nach der Karriere alles nachholen“ müssen. „Ich habe nicht gefeiert und getrunken“, wiegelt Zverev augenzwinkernd ab. Doch er hatte sich in Beziehungen ausgelebt.

So bleibt die dritte Runde in Wimbledon 2008 sein bisher bestes Ergebnis bei einem Grand-Slam-Turnier. Zwischen den French Open 2012 und den US Open im vergangenen Sommer hatte es Zverev nicht mal mehr in das Hauptfeld eines Major-Turniers geschafft. „Aber besser spät als nie“, sagt Zverev.

Nicht nur der eigene Reifeprozess, auch schwere Verletzungen an Rücken und Knie hatten ihn dabei lange gehandicapt. 2014 musste sich Zverev zuletzt am Handgelenk operieren lassen. In der Rangliste fiel er jenseits von Platz 1000 zurück. Da hatte ihn sein zehn Jahre jüngerer Bruder Alexander längst überflügelt. Aber nur dessen Sparringspartner und Ratgeber zu sein, reichte Mischa Zverev nicht. Den Erfolg des kleinen Bruders zu sehen, treibt ihn ungemein an. „Seit der Verletzung habe ich viel und hart trainiert“, betont er, und der erste Erfolg war der Einzug in die zweite Runde bei den US Open. Da stand Zverev noch auf Rang 150.

„Vom Gefühl wurde mein Spiel besser. Ich war sehr fokussiert, ich wollte es unbedingt“, sagt er. Schon am Saisonende stand er auf Rang 50. Und während Alexander Zverev die Top Ten anvisiert, will auch der Ältere weiter nach oben. Ihre siebenwöchige Saisonvorbereitung in Florida war keine Ausnahme. „Wir hatten jeden Tag Konkurrenzkampf“, sagt Mischa Zverev: „Wer hat mehr Frikadellen gegessen? Wer hat mehr Gewicht gehoben? Wer ist schneller gelaufen?“ Der Kleine schlägt ihn beim 140-Kilogramm-Stemmen, dafür läuft der Große schneller. Und mehr Klimmzüge schafft er auch. „Er ist zwar jünger, aber ich will ja trotzdem nicht schlechter sein“, sagt Mischa Zverev und grinst. Und so gelingt er, der Neustart mit 29.

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