Sport : Australien sieht sich als unpassenden Ort für Schwindler

Adrian Plitzco

Die Teilnehmer an den Olympischen Spielen 2000 müssten gewarnt sein. "Sydney ist nicht der geeignete Ort für Schwindler", sagt die australische Sportministerin Jackie Kelly bei jeder Gelegenheit. Genau genommen seitdem die australische Bundesregierung vor weniger als einem Jahr beschlossen hat, dem Problem "Doping im Spitzensport" an den Kragen zu gehen. Bei der Jagd nach der Illusion verkündet die Sportministerin reichlich optimistisch: "Es wird ein Kampf sein, den wir nicht verlieren werden." Die Bemühungen der australischen Regierung, die Olympischen Spiele in Sydney dopingfrei zu halten, unterstreicht auch das Beispiel Linford Christie. Die Regierung hatte es dem englischen Sprinter untersagt, Sportanlagen zu betreten, die sich im Besitz des australischen Staates befinden. Dabei benutzte Christie diese Anlagen nicht als Wettkämpfer, sondern als Trainer der englischen Leichtathletik-Mannschaft. Außerdem ist das Dopingverfahren gegen ihn noch lange nicht abgeschlossen.

Australien rühmt sich, entsprechend der starken Worte der Ministerin, im internationalen Kampf gegen das Doping im Spitzensport die Führungsposition übernommen zu haben. Auf nationaler Ebene investierte die Regierung sechs Millionen Dollar in die australische Sportagentur gegen Doping (ASDA). ASDA initiiert ein Aufklärungsprogramm, das Sportler, Trainer und Mediziner für die Gefahren des Dopings sensibilisieren soll. Ein Teil der Gelder wird dazu verwendet, neue Doping-Tests zu entwickeln. Von Juli vergangenen Jahres bis zu den Olympischen Spielen im September wird ASDA außerdem bei nationalen sowie internationalen Athleten eine hohe Zahl von Dopingtests durchgeführt haben - darunter sowohl Wettkampf- als auch Trainingskontrollen. Dadurch soll eine maximale Abdeckung aller Sportarten erreicht werden. Wenn möglich sollen die Athleten ohne Vorwarnung zu einem Test verpflichtet werden - wie zum Beispiel auch in Deutschland üblich. ASDA glaubt, mit dieser Überraschungstaktik die Athleten vom Doping abzuschrecken. Freilich nur solche, die Mittel nehmen, die bisher nachweisbar sind.

Bei den Spielen von Sydney kann sich zeigen, inwieweit diese Taktik erfolgreich war. Ein Punkt, der die australischen Verantwortlichen optimistisch stimmt, ist die beachtliche Anzahl der Tests. Allein in den zwei Monaten vor den Olympischen Spielen werden 50 Prozent mehr Doping-Tests durchgeführt als vor den Olympischen Spielen in Atlanta 1996. Australische Athleten haben sich vertraglich dazu verpflichtet, Preisgelder zurückzuzahlen, sollte ihnen nachgewiesen werden, dass sie diese mit Hilfe von Doping gewonnen haben.

Auf der internationalen Bühne spielt Australien beziehungsweise die ASDA eine wichtige Rolle im Aufbau von nationalen Anti-Doping-Programmen. Sydney war der Gastgeber einer internationalen Doping-Konferenz im vergangenen November, an der sich die Regierungen aus 25 Nationen dazu verpflichtet hatten, zusammen mit ihren heimischen Sportorganisationen Doping zu bekämpfen. ASDA und das Sydney Olympia-Komitee (Socog) drängen darauf, während der Spiele in Sydney Bluttests durchzuführen. Denn es gilt, ein Problem zu lösen, den Nachweis des synthetischen Hormons Erythropoietin. Das Hormon, weitläufig bekannt als Epo, bereichert das Blut mit zusätzlichem Sauerstoff. Dadurch sind Athleten in Ausdauerdisziplinen zu höheren Leistungen fähig.

Noch gibt es keinen anerkannten Test, der dieses Mittel im Blut eines Athleten einwandfrei identifizieren kann, doch will Australien auch hier Vorreiter sein. Wissenschaftler am Sportinstitut in Canberra behaupten, in der Entwicklung eines nahezu sicheren Epo-Tests einen entscheidenden Durchbruch geschafft zu haben. Ungleich zum Test des Radsportverbandes, der lediglich als Anhaltspunkt, nicht jedoch als Beweis die Hämatokritwerte bestimmen kann, ist ihr Test im Stande, vier weitere Blutwerte zu identifizieren. In einer nächsten Versuchsphase erwartet man gar, einen sechsten Blutwert entdecken zu können.

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