AUSWÄRTS Spiel : St. Patrick – Cork City 1:1

20 Uhr 45, Richmond Park in Dublin: Ligaalltag in Irland – vor 1773 Fans

André Görke

Nächste Woche kommen also all die deutschen Fußballfans nach Dublin. Sie fliegen singend mit „Aer Lingus“ und „Ryanair“ über den Kanal, und sie wollen im gigantischen Croke Park vor 82 000 Leuten jubeln und feiern, vielleicht ja den entscheidenden Sieg in der Qualifikation zur EM 2008 in den Alpenländern.

Mit dem Alltag im irischen Fußball hat das Fest allerdings herzlich wenig zu tun, denn der Alltag ist, naja, eher auf „DDR- Oberliga-Niveau“, sagt Dirk, 31, der in Frankfurt (Oder) aufgewachsen, eigentlich Fan von Hertha BSC und dem 1. FC Union ist und in Dublin arbeitet.

Neulich war Dirk im Richmond Park, einem dieser schmalen irischen Stadien, 5500 Zuschauer passen rein. Dublin ist durch den Fluss Liffey aufgeteilt: Im Norden wohnt die working class, im Süden geht es schicker zu.

St. Patrick’s Athletic – achtmaliger Meister – empfängt Cork City – zweimaliger Meister – zum Spitzenspiel im Zentrum. Das Stadion liegt versteckt zwischen alten Häusern, auch an diesem Freitagabend kommen nur wenige. Die Karten, die aus einem alten Imbisswagen heraus verkauft werden, kosten 20 Euro. Das Pint Guinness gibt’s für 4,50 Euro. Der Rasen ist saftig-grün, die 60 Herren von der „Rebel Army“ von Cork singen sich ein. Nur: „Was die singen, verstehen wirklich nur Iren, das ist der hübsche Slang“, sagt der Exil-Berliner Dirk. „Wenn man als Ausländer problemlos ein Baguette bekommt, ist man schon fast Sprach-Insider.“

1:0, 1:1. Verhalten feiern die Fans von Dublin, viele sind noch jung, im Stadion sind nur drei, vier Polizisten zu sehen. Bei Derbys – aus Dublin kommen gleich mehrere Erstligisten: Bohemians, Shamrock Rovers, St. Patrick – sind es einige mehr, aber die meisten zieht es sowieso viel lieber zu den gälischen Sportarten. Fußball ist der Sport der Engländer.

Die Deutschen müssen sich auf einiges einstellen: raues Klima, teures Bier, reichlich Fußballlaien und Pommes mit Essig für 5 Euro. „Man gewöhnt sich nur langsam daran“, sagt Dirk. Er wohnt seit sechs Monaten in Dublin. André Görke

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