AUSWÄRTS Spiel : Südkorea – Nordkorea

26. März, WM-Qualifikation, Schanghai Ein brisantes Duell auf neutralem Boden

Frank Hollmann

Dieses Szenario haben Nordkoreas Funktionäre auf keinen Fall im eigenen Land erleben wollen. Gewaltige südkoreanische Fahnen im Fanblock hinter Ri Myong Guk, Nordkoreas Torwart eingehüllt in die ohrenbetäubenden Schlachtrufe aus Seoul eingeflogener Fans. Genau das passiert jetzt in Schanghai. Heimspielatmosphäre für den Süden, und das 600 Kilometer von der koreanischen Halbinsel entfernt. Das auf neutralen Boden verlegte WM-Qualifikationsspiel endet 0:0.

In Pjöngjang hätte Staatschef Kim Jong-Il die südkoreanische Flagge und Hymne dulden müssen. Das wollte er auf keinen Fall. Beide Staaten sind seit den Fünfzigerjahren noch immer faktisch im Krieg. Ein Friedensvertrag wurde nie geschlossen. Für Schanghais Behörden war das zu viel der Brisanz. Dutzende von Polizisten und Paramilitärs stehen in Bereitschaft. Kurz vor dem Anpfiff jagen zwei Militärjets übers Stadion hinweg.

Die Geschichte vom größten Star des Nordens, Jong Tae Se aus der japanischen J-League, zeigt die ganze Zerrissenheit des geteilten Landes. Obwohl seine Eltern aus dem Süden stammen, trägt er das rote Trikot des Nordens. Als Kind hat Jong in Japan nordkoreanische Auslandsschulen besucht. Ein paar hundert aus Peking angereiste Botschaftsangehörige feuern ihn an, überstimmt allerdings von der sangeskräftigen Fanübermacht aus dem Süden.

Auf dem Platz sind Nord und Süd gleichwertig. Das Ergebnis ist egal, meint Dong Ji-Piau im südkoreanischen Fanblock. Han Myung-Soo ergänzt: „Natürlich ist es ein besonderes Spiel. Wir sind ein geteiltes Land, und hier stehen wir gemeinsam auf dem Platz.“ Arm in Arm rennen die Kicker aus dem Norden nach dem Schlusspfiff in die südkoreanische Fankurve, Augenblicke später laufen Park Ji Sung und seine Mitspieler zur Gegengerade und erhalten den Beifall der nordkoreanischen Botschaftsmitarbeiter. Mehr als ein halbes Jahrhundert der Trennung scheinen in Schanghai für einen Moment vergessen. Frank Hollmann

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