Auswärtsspiel : Hertha BSC: Platz für ihre Ideen

Im Spiel bei Werder Bremen erhoffen sich die Berliner mehr Raum für das eigene Konterspiel

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Gute Aussichten? Weil es Werder zuletzt mit der Defensive nicht so genau nahm, hofft Hertha in Bremen auf mehr Chancen. -Foto: dpa

Berlin - Fernsehen bildet. Man muss sich nur das richtige Programm anschauen und die richtigen Schlüsse ziehen, so wie die Spieler von Borussia Mönchengladbach das vorige Woche getan haben. Bevor seine Mannschaft am Wochenende auf Werder Bremen traf, hatte Trainer Michael Frontzeck zur Videoschulung gebeten – mit einem bestechenden Erfolgserlebnis. „Wir wussten schon vorher, dass die Bremer defensiv verwundbar sind“, sagte Borussias Verteidiger Tobias Levels nach dem Spiel. Die Mängel waren kaum zu übersehen. Eine Defensive als Ansammlung von Einzelkämpfern. Zudem stehen die Bremer mit ihrer Viererkette fast an der Mittellinie, dahinter lockt eine Menge freien Raums. „Das haben wir perfekt ausgenutzt“, sagte Levels. Nach nicht einmal 20 Minuten führten die Gladbacher durch drei gezielte Konter 3:0, am Ende gewannen sie 4:3.

Diese Erfahrung sollte Hertha BSC Hoffnung machen. Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga spielt heute in Bremen, und nachdem die Berliner zuletzt über Mangel an Raum geklagt hatten, erwarten sie im Weserstadion ein Spiel mit ganz anderen Möglichkeiten – und Freiheiten. „Wir spielen jetzt gegen Mannschaften, die selbst das Spiel machen, das liegt uns mehr“, sagt Herthas Kapitän Arne Friedrich. „Wir können dann kontern.“

In den letzten beiden Heimspielen, von denen sich die Spieler genauso wie die Fans so viel erhofft hatten, konnten sie das nicht. Sowohl Gladbach als auch der VfL Bochum beschränkten sich im Olympiastadion im Zweifel auf den Erhalt der defensiven Ordnung – weil sich natürlich längst herumgesprochen hat, was Hertha kann und was nicht. Reaktion behagt den Berlinern deutlich mehr als Aktion. Am Ende sprangen gegen die beiden Konkurrenten im Abstiegskampf gerade zwei Nullzunulls heraus, die sich arg dämpfend auf die schöne Aufbruchstimmung ausgewirkt haben.

„Wir haben gegen Werder schon alle Ergebnisse erlebt“, sagt Herthas Manager Michael Preetz. Erwartbare und trotzdem schmerzhafte Niederlagen waren ebenso darunter wie überraschende Siege. So wie vor vier Jahren, als Hertha nach einer Serie von 13 sieglosen Spielen fast schon an der Schwelle zum Abstiegskampf angelangt war. Mit einem 3:0 schafften die Berliner in Bremen die Wende, am Ende landete die Mannschaft noch auf Platz sechs. Aber auch eine der bittersten Niederlagen im Weserstadion ist geeignet, den Berlinern noch Hoffnung zu machen: Zum Rückrundenauftakt der Saison 2003/04 musste Hertha in Bremen antreten. Es war das erste Spiel unter Trainer Hans Meyer, der in der Winterpause als Retter engagiert worden war – und es endete mit einem Debakel. Mit einer 0:4-Niederlage begann die Aufholjagd Volume I, trotzdem gelang Hertha letztlich der Klassenerhalt.

Während die Berliner damals den Absturz abwenden konnten, wurde Werder in derselben Saison zum bisher letzten Mal Deutscher Meister. Von derartigen Ambitionen haben sich die Bremer zuletzt sehr zielstrebig entfernt. Nach fünf Niederlagen hintereinander und insgesamt sieben Spielen ohne Sieg will die Mannschaft von Thomas Schaaf nun mit aller Macht den Sturz ins Mittelmaß verhindern. Während Trainer Friedhelm Funkel sagt, es beeindrucke ihn überhaupt nicht, „dass die Bremer in den letzten Wochen nicht ihre besten Leistungen auf den Platz gebracht haben“, hofft Manager Preetz, dass Hertha sich die aktuelle Schwäche des Gegners zunutze machen kann: „Der Druck auf Werder wächst. Die Mannschaft wird mit Sicherheit nicht vor Selbstvertrauen strotzen. Darin werden wir unsere Chance suchen.“

Schaaf wird wohl nicht nur personelle Veränderungen vornehmen, sondern auch sein System ändern, um die Defensive mit einem zweiten Sechser zu stabilisieren. Funkel hingegen könnte dieselbe Elf aufbieten, mit der er erfolgreich in die Rückrunde gestartet ist. Fabian Lustenberger ist wieder einsatzfähig; dafür fehlt Patrick Ebert, der wegen einer Kniescheibenprellung drei bis vier Tage mit dem Training aussetzen muss. Funkel erwartet seine Mannschaft „ein Stück konzentrierter und offensiver“ als in den beiden jüngsten Heimspielen, in denen Hertha eine tragende Idee für das Angriffsspiel fehlte.

Nach der Balleroberung schnell umschalten, schneidend kontern, um Werder im Moment der Unachtsamkeit zu erwischen – das ist der Plan der Berliner. Es ist der gleiche, mit dem vor einer Woche auch Gladbach erfolgreich war. Die Sache hat nur einen Makel. „So wie in Mönchengladbach werden die Bremer bestimmt nicht mehr auftreten“, sagt Friedhelm Funkel. „Die haben mit Sicherheit auch ihre Schlüsse aus dem Spiel gezogen.“

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