Badminton : Arm im Millionenspiel - Probleme einer Randsportart

Dreimal in Folge hat Empor Brandenburger Tor den Meistertitel im Badminton gewonnen – die Suche nach Sponsoren und Nachwuchs hat das wenig befördert.

Nicolas Diekmann
Netzathletin. Die Europameisterin und WM-Dritte Juliane Schenk, hier bei den India Open im April in Neu Delhi, spielt seit 2005 für EBT.
Netzathletin. Die Europameisterin und WM-Dritte Juliane Schenk, hier bei den India Open im April in Neu Delhi, spielt seit 2005...Foto: AFP

Berlin - Die Bühne für die große Feier mussten sie sich erst erarbeiten. Nachdem die SG Empor Brandenburger Tor (EBT) kürzlich zum dritten Mal in Folge deutscher Badmintonmeister geworden war und parat stand zur Pokalübergabe, da musste das Podest noch installiert werden. Zwei Holzbausteine wurden herangetragen und zusammengeschoben, dann erst wurden Medaillen umgehängt, Urkunden ausgegeben und die Trophäe überreicht. Es ist eben alles etwas provisorischer beim Badminton.

In Berlin ist die Aufmerksamkeit gering

In Berlin, einer Stadt mit zwei Fußballvereinen in der zweithöchsten Spielklasse, mit einem Eishockey- und einem Volleyballmeister, mit Alba und den Füchsen bleiben weder viel Geld noch viel Zuschauerinteresse für einen Sport übrig, der hierzulande zwar von Millionen Menschen gespielt wird, als Wettkampfsport aber kaum wahrnehmbar ist. Manfred Kehrberg managt den Berliner EBT und spricht von einer „stiefmütterlichen Behandlung“ seines Sports in der Hauptstadt. Der unterlegene Endspielgegner aus Bischmisheim, einem Stadtteil Saarbrückens, habe da schon eine andere Aufmerksamkeit. „Da gibt es noch Ringen, Tischtennis und sonst eigentlich nichts“, sagt Kehrberg. Bezeichnend, dass beim Finale im Sportforum Hohenschönhausen zwar ein Kamerateam des RBB filmte – aber im Auftrag des Saarländischen Rundfunks. Immerhin kamen aber gut 1200 Menschen, gut viermal so viele wie üblich. Dann trägt EBT die Heimspiele in der sehr viel kleineren Sporthalle in der Samariterstraße aus.

Es ist eine erstaunliche Entwicklung, die EBT in den vergangenen zehn Jahren genommen hat. Damals wurde ein mittelfristiges Ziel ausgegeben: Die deutsche Meisterschaft – und damals spielte der Verein noch in der 6. Liga, auf Landesebene. „Da war nicht viel Geld im Spiel“, sagt Manager Kehrberg. Als Rechtsanwalt habe er gute Kontakte nach China, und so wurden Spielertrainer der Sportschulen in Peking und Schanghai nach Deutschland gebracht. Sie trainierten die Berliner Badminton-Jugend. „Wir mussten im Verein erst mal deutlich machen, dass Badminton auch Wettkampf ist“, sagt Kehrberg.

Es folgte 2011 der erste Meistertitel, letztes Jahr die Bestätigung im Finale beim saarländischen 1. BC Bischmisheim, dieses Jahr wurde der Hattrick perfekt gemacht. Empor erspielte sich das Heimrecht, durch Tabellenplatz eins in der regulären Saison. Ohne eine einzige Niederlage. Im Finale verloren die Berliner kein Spiel, 4:1 hieß es am Ende – den Gegenpunkt kassierten sie aufgrund einer verletzungsbedingten Aufgabe. Dabei lohne sich der Titel finanziell nicht, „Ehre, Pokal und Medaillen“ seien die Preise, sagt Kehrberg. „Natürlich wünschen wir uns Sponsoren, aber viele Unternehmen knabbern in Berlin ja selbst.“ Im Moment ist nicht einmal klar, wer das Badmintonteam nächstes Jahr ausrüstet.

Die Leistungszentren sind im Westen - Empor ist das einzige Team im Osten

In der vergangenen Woche trugen neben der aktuell besten deutschen Spielerin Juliane Schenk noch Schotten, Dänen und Niederländer das Berliner Trikot. Dass der hoffnungsvolle Badmintonnachwuchs nur selten bei Empor anheuert, hat mit einem zusätzlichen Standortnachteil zu tun: Empor ist das einzige Team im Osten Deutschlands. Die Leistungszentren sind im Westen. Alle Talente siedeln hinüber – und bleiben dann da. Für Bischmisheim spielte im Finale eine Schwedin. Alle anderen Teammitglieder sind Deutsche. „Unsere Nachwuchsarbeit ist gut“, sagt Kehrberg. „Aber noch können wir die die Besten nicht langfristig binden.“ Am Geld liegt es in diesem Fall wohl nicht. Denn wohlhabend ist keiner der zehn Bundesligavereine.

Über den Berliner Etat möchte der Manager nicht sprechen. Hoch kann er aber nicht sein, wie diese Anekdote nahe legt: Durch die abermalige Meisterschaft hat sich Empor auch wieder für die European Club Championships Ende des Monats qualifiziert – die Champions League im Badminton. Wie in den vergangenen Jahren aber werden die Berliner daran nicht teilnehmen. In den vergangenen zwei Jahren überschnitt sich das Turnier mit anderen Veranstaltungen, die lukrativer für die Spieler gewesen sind. Dieses Jahr könnte Empor eine konkurrenzfähige Mannschaft stellen, doch würde die Reise zum Austragungsort in die französische Provinz den Verein 20 000 Euro kosten, hat Manfred Kehrberg ausgerechnet. „Auch wenn wir zu den Favoriten gehören, finanziell wäre das nicht zu stemmen“, sagt er. Denn zu gewinnen, gibt es auch hier nichts. Nach der Arbeit gäbe es also wieder nur ein kurzes Vergnügen: Durch Ehre, durch Medaillen und durch einen Pokal.

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