Sport : Badminton: Neue Hymne, altes Ergebnis

Christian Hönicke

Es hatte alles so harmonisch angefangen. Zur Einstimmung auf das zweite Saisonspiel des BC Eintracht Südring in der Badminton-Bundesliga gegen Bayer Uerdingen erscholl in der verdunkelten Halle der auf einem Didgeridoo vorgetragene Südring-Groove. Die sphärischen, fast trance-artigen Klänge wurden vom Publikum als wohltuende Abwechslung im Olé-Olé-Einheitsbrei der Vereinshymnen mit Begeisterung aufgenommen. Nachdem die Südring-Spieler auch noch ihren Kreis gebildet hatten, fragten sich die Besucher: Was soll in dieser familiären Atmosphäre denn schief gehen?

Das wurde schnell klar, als die von den Krefelder Gästen mitgebrachten Holzrasseln der heimischen Pauke den akustischen Rang in der Schulsporthalle im Einzugsgebiet des Kottbuser Tors mehr und mehr abliefen. Symptomatisch für den Leistungsunterschied war der Dreisatzsieg der Uerdinger im Mixed, für den der Niederländer Chris Bruil und der neue Star von Bayer, die Dänin Rikke Olsen, gerade einmal fünfzehn Minuten benötigten.

Zu diesem Zeitpunkt half auch der Einsatz von Südrings Manager Rainer Behnisch nichts mehr, der eigenhändig den schweißnassen Hallenboden wischte, um dem von ihm ausgegebenen Ziel ein Stück näher zu kommen. "Wir wollen unter die ersten vier kommen und damit in die Play-offs einziehen", hatte er gesagt. Doch im Moment sieht es nicht gut aus. Denn obwohl die Anzeigetafel sich lange Zeit weigerte, das tatsächliche Ausmaß der Niederlage preiszugeben, stand da am Ende wie schon vor einem Jahr ein 1:7, das lediglich Raum für Zweckoptimismus übrig ließ. "Vielleicht ist es ja ein gutes Omen", orakelte der Hallensprecher nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel für den Europapokalsieger von 1999. Im Vorjahr gab es das gleiche Ergebnis gegen die Uerdinger, trotzdem wurde Südring später Meister.

Vielleicht sollte man aber auch einmal analysieren, ob der Südring-Groove, die neue Vereinshymne, auf die eigenen Spieler eher paralysierende als aufputschende Wirkung hat. Auf dem Spielfeld ließ sich bei den Berlinern eine gewisse Apathie jedenfalls nicht leugnen. Lediglich der im Programmheft so freundlich dreinblickende Rickard Magnusson zeigte seine temperamentvolle Seite und ließ auch wegen seiner mehrfach vorgeführten Hechtsprünge Erinnerungen an einen bekannten Leimener Tennisspieler wach werden.

Wenigstens die Fans konnten mit ihrer Leistung zufrieden sein und resümierten angesichts der trotz alledem vorbildlichen Unterstützung ihrer Mannschaft nicht zu Unrecht: "Wir ham uns besser verkooft, wa?"

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