Sport : Balsam für die Psyche

Istanbul leistet den Berlin Volleys Aufbauhilfe.

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Berlin - Der Ball wäre fast auf seiner Brust gelandet, Urpo Sivula hatte die Hände hochgerissen, aber er hatte keine Kontrolle über die Flugbahn, der Ball spritzte unerreichbar quer übers Feld. Und auf der Tribüne dürften die meisten der 2597 Zuschauer laut gestöhnt haben. Der Finne im Trikot der Berlin Volleys hatte Istanbul BBSK, dem Gegner, gerade die 9:7-Führung ermöglicht. Der erste Satz lief, das Hinspiel im Volleyball-Achtelfinale des europäischen CEV-Cups hatte gerade erst begonnen, aber in der Schmeling-Halle sah es so aus, als würde hier gerade sein Ende eingeleitet. Mit dem späteren Verlierer Berlin Volleys. „Wenn Istanbul in seinen Rhythmus gekommen wäre, wäre es schwierig geworden“, sagte Volleys-Manager Kaweh Niroomand später.

Dann wären die Berliner wohl wieder psychisch eingeknickt, wie zuletzt gegen Haching oder zeitweise gegen Friedrichshafen. Und Außenangreifer Sivula steht exemplarisch für diese mentale Schwäche. Zwei Fehler in der Annahme, und der Finne ist völlig durch den Wind. So war das zuletzt. So war das aber nicht am Dienstagabend. Diesmal hakte er die Fehler ab. Sivula schlug harte Sprungaufgaben, er schlug aggressive Angriffsbälle, er hielt die Volleys im Spiel. Die Volleys gaben nicht auf, sie entschieden diesen ersten Satz für sich. Knapp nur, 25:23, aber es hatte gereicht. Und am Ende gewannen sie auch das Spiel, 3:0 (25:23, 25:20, 25:17).

Der Satzgewinn war fast wie eine Befreiung. Ein Erfolgserlebnis, das Selbstvertrauen erzeugte. „Dieser erste Satz hat uns psychisch einen Riesenschritt nach vorne gebracht“, sagte Niroomand. Bei den Berlinern spielte nun Diagonalangreifer Paul Carroll die Rolle, „für die wir ihn gekauft haben“ (Niroomand), seine Teamkollegen spielten auch gelöster, und weil Libero Martin Krystof und Außenangreifer Björn Höhne viel von Sivulas Arbeit übernahmen, blieb auch die Annahme ziemlich stabil. Und, natürlich: Die Türken spielten längst nicht so stark, wie man erwartet hatte.

Die Volleys waren auch längst nicht in Topform, dieser Sieg war vor allem wichtig für ihre Psyche, für ihr Selbstvertrauen nach den jüngsten Niederlagen. Und er war nötig. „Wenn es heute schief gegangen wäre“, sagte Trainer Mark Lebedew, „wäre es ein schwieriges Jahr geworden.“ Frank Bachner

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