Baseball: MLB-Sieger Kansas City Royals : Gegen jede Statistik

Nach Jahren der Frustration sind die Kansas City Royals wieder eine große Nummer in der MLB geworden. Der Gewinn der World Series 2015 belegt dies.

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Ein Herz und eine Serie. Die Kansas City Royals konnten gleich mehrfach Rückstände aufholen – mit Siegeswillen und Geschlossenheit. Die Belohnung ist der Meistertitel.
Ein Herz und eine Serie. Die Kansas City Royals konnten gleich mehrfach Rückstände aufholen – mit Siegeswillen und...Foto: Reuters/Curry

Baseball ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Dass eine Mannschaft kurz vor Schluss Rückstände aufholt, ist nicht unmöglich. Dass ihr das in mehreren Spielen hintereinander gelingt, ist statistisch fast ausgeschlossen. Und Statistik gilt im Baseball fast so viel wie ein Naturgesetz. So gesehen haben die Kansas City Royals in der World Series 2015 nicht nur die New York Mets besiegt, sondern auch die Statistik. Drei ihrer Spiele gewannen sie, obwohl der Gegner in der Endphase führte. Auch im fünften Finale der Best-of-seven-Serie in der Nacht auf Montag in New York war das so. Vor dem letzten Inning der regulären Spielzeit lag Kansas City 0:2 zurück, nur um doch noch auszugleichen und das Spiel in der Verlängerung 7:2 zu gewinnen. Schon tags zuvor hatte das Team ein 2:3 in einen 5:3-Sieg gedreht und auch das erste Finale hatte es nach spätem Ausgleich in Extra-Innings noch 5:4 für sich entscheiden. Wer sich weigert zu verlieren, verliert auch nicht.

„Wir haben diese Einstellung, niemals aufzugeben. Auch wenn es mal nicht so läuft für uns, kämpfen wir trotzdem weiter“, sagte Outfielder Lorenzo Cain. Und Manager Ned Yost erklärte stolz: „Mit diesem Team zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes. Meine Spieler haben in der gesamten Saison Charakter und Leidenschaft gezeigt.“ Tatsächlich haben sich die Royals mit ihrer Spielweise in die Herzen der Baseball-Fans in den USA gespielt. Die Fernseh-Einschaltquoten für die diesjährige World Series waren höher als in den Vorjahren. Kansas City mit seinem Team aus jungen, hungrigen Spielern begeisterte nicht nur in Missouri.

Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders. Nach dem ersten und bis zur aktuellen Saison einzigen Titelgewinn 1985 ging es mit dem Team rapide bergab. Zwischenzeitlich verpasste Kansas City die Play-offs 28 Jahre in Folge. Erst in der Vorsaison meldeten sich die einstigen Dauerverlierer zurück und unterlagen den San Francisco Giants knapp im entscheidenden siebten Spiel der World Series.

Trotz ihres Aufschwungs waren die City Royals vor der Saison kein Favorit

Trotzdem galten sie vor der Saison 2015 nicht gerade als Topfavorit. Auch weil Baseball ein Sport der großen Individualisten ist und die Superstars anderswo mehr Geld verdienen. Das hat Kansas City mit mannschaftlicher Geschlossenheit ausgeglichen. In der World Series 2015 gelangen den Royals beispielsweise nur zwei Homeruns in den fünf Spielen – vier weniger als New York. Die Mets lagen zudem nach 26 der 53 Finalinnings in Führung, die Royals nur nach dreizehn.

Während andere Klubs auf die Schlagkraft Einzelner setzen, spielt Kansas City Baseball so, wie es einst erfunden wurde. Spieler auf Base bringen, anschließend irgendwie nach Hause schlagen – und vor allem: niemals aufgeben. Die Chance, dass die finanzielle Übermacht der Großklubs New York Yankees, Los Angeles Dodgers oder Boston Red Sox dauerhaft gebrochen werden kann, ist nicht besonders groß. Doch die Kansas City Royals haben in dieser Saison gezeigt, dass Baseball manchmal auch ein Spiel der Unwahrscheinlichkeiten sein kann.

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