Sport : Basketball: Alba findet Verstärkung direkt vor der Haustür

Dietmar Wenck

Als am Donnerstagabend bekannt wurde, dass Jörg Lütcke nicht nur einen Bluterguss im Knie hat, sondern einen Bänderriss und sechs bis acht Wochen nicht spielen kann, bekam auch die sportliche Leitung bei Alba Berlin zittrige Knie. Wo doch schon Stefano Garris (doppelter Bänderriss am Sprunggelenk) und Henrik Rödl (Rückenverletzung) dem Deutschen Basketball-Meister bis auf weiteres fehlen. Das Fatale an der ohnehin unangenehmen Situation war, dass alle drei im Spielaufbau und als Flügelspieler eingesetzt werden.

Nun blieben Alba auf diesen Positionen in Derrick Phelps, Marko Pesic, Sven Schultze und Tommy Thorwarth nur vier gesunde Spieler. Der Verein musste schnell reagieren und investieren, sonst hätte Trainer Emir Mutapcic schon im Bundesligaspiel gestern gegen den BCJ Hamburg große Aufstellungsprobleme gehabt. Und Alba hat reagiert. Nationalspieler Drazan Tomic unterschrieb einen Vertrag über zwei Monate, der 20-jährige Tscheche Milan Soukop wurde für vier Jahre verpflichtet. Das zahlte sich bereits aus. Alba Berlin gewann in Hamburg 77:54 (36:22), die beiden Neuen waren mit von der Partie, und Tomic kam sogar auf acht Punkte.

Die Berliner mussten keine Fernreise antreten, um bei ihrer Suche nach Verstärkungen fündig zu werden. Sie fanden sie vor der eigenen Haustür. Schon von 1991 bis 1997 gehörte Drazan Tomic zum Alba-Team, kam über den Kooperationspartner TuS Lichterfelde zum Bundesligisten. Dort hielt er sich auch in den vergangenen Wochen fit. Der 26-Jährige hatte nach drei Jahren in Bonn keinen neuen Vertrag mehr bei den Telekom Baskets erhalten; Angebote von Panionios Athen und dem französischen Spitzenteam EB Pau-Orthez hatte er abgelehnt. Unversehens stand Tomic so Anfang der Saison ohne Verein da. Da er Berliner ist und zurzeit bei seinen Eltern lebt, "bot sich seine Verpflichtung an", wie Alba-Manager Carsten Kerner sagte. Tomic kennt die meisten Spieler und das Umfeld von Alba Berlin.

Ähnlich ist die Situation bei Soukop. Der tschechische Nachwuchs-Nationalspieler von Sparta Prag sollte ohnehin früher oder später einen Vertrag bekommen. Er war im Trainingslager mit den Berlinern, lebt und trainiert in der Stadt. Weitsichtig hatte Alba ihn vor der Saison bereits für die SuproLeague gemeldet, so dass er seinem Verein nun auch international helfen kann. "Es war klar", erklärt Kerner, "dass er in irgendeiner Form in Berlin bleibt." Anders ist es bei Tomic. Er ist vorerst nur in der Bundesliga einsetzbar. Sollte sein Vertrag Ende des Jahres verlängert werden, wäre er ab Januar auch in der SuproLeague spielberechtigt.

"Handeln war dringend geboten", sagte Vizepräsident Marco Baldi, der die Verhandlungen mit den Spielern führte und sich nach dem Vollzug erleichtert gab. "Mutapcic hatte ja kaum noch Wechselmöglichkeiten. Die Sache mit Drazan war ein richtiger Schnellschuss." Während Lütcke und Garris wochenlang ausfallen, besteht bei Rödl die Hoffnung, dass er schon Mittwoch gegen Maccabi Raanana spielen kann.

In Hamburg griet das Team auch ohne ihn nicht in Bedrängnis, führte von Anfang an. "Ich bin zufrieden mit unserem Sieg, vor allem mit unserer guten Mannschafts-Verteidigung", kommentierte Mutapcic. Soukop und Tomic fügten sich gut ein. Wendell Alexis, der normalerweise viel unter dem Korb spielt, wurde vom Trainer zum Flügel umfunktioniert, ein Experiment, das nur teilweise gelang.

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