Sport : Basketball: Ballungsräume: Die Bundesliga will ihr provinzielles Image loswerden

Benedikt Voigt

In Bamberg wird der Gang auf die Toilette in Zukunft einfacher. Glaubt man dem Marketing-Manager der TSK Universa Bamberg, so musste man früher bei Basketballspielen in der Graf-Stauffenberg-Halle, bevor man das WC aufsuchte, beim Hallenwart vorbeischauen. Sebastian Sieben erzählt: "Früher gab es das Toilettenpapier rationiert beim Hallenwart: Acht Blatt pro Person." Für die Bamberger Zuschauer kann man eigentlich nur hoffen, dass der Marketing-Manager einen Scherz machte, um die Rückständigkeit der alten Halle zu veranschaulichen. Nun aber steht Besserung in Aussicht, denn künftig treten die Bamberger Basketballer im Forum Bamberg an. "4500 Sitzplätze mit hohem Komfort", beschreibt Sieben die neue Halle in Bamberg. Toilettenpapier inklusive.

Also gibt es mit der Kölnarena in der neuen Spielzeit der Basketball-Bundesliga (BBL) zwei weitere Hallen, die den modernen Standards der BBL entsprechen. Nicht nur wegen der neuen Spielstätten sagt der BBL-Präsident Wolfgang Kram: "Es wird eine besondere Saison." Die Bundesliga versucht, von der Euphorie zu profitieren, die die Basketball-Nationalmannschaft durch ihr gutes Abschneiden bei der Europameisterschaft im September erzeugt hat. "Wir hoffen, dass wir einiges von diesen Emotionen in die Liga hinüberretten können", sagt der Leverkusener Manager. Ein Indiz dafür hat Thomas Deuster bereits entdeckt: "Das Medieninteresse wird immer größer."

Das kann der Basketball-Kommentator vom Deutschen Sportfernsehen (DSF), Frank Buschmann, bestätigen: "Endlich ist das eingetreten, was wir uns im Basketball immer gewünscht haben." 3,5 Millionen Menschen hatten in der Spitze das Viertelfinalspiel gegen Frankreich im Fernsehen gesehen. Das Halbfinale wollten immerhin noch 2,5 Millionen sehen. Allerdings ist man sich bei der BBL auch bewusst, dass diese Zahlen in der Bundesliga nur schwer zu schaffen sind. "Die Nationalmannschaft ist immer etwas Besonderes", sagt BBL-Präsident Wolfgang Kram. Außerdem fehlen der Liga die spektakulärsten deutschen Nationalspieler. Dirk Nowitzki, Shawn Bradley, Patrick Femerling oder Ademola Okulaja spielen im Ausland. Dafür versucht die BBL, den Nationalspieler in der Liga zu größerer Popularität zu verhelfen. Der Auftritt von Stefano Garris, Mithat Demirel und Robert Garrett in Stefan Raabs Fernsehshow war so ein Versuch. Im zweiten Jahr des Fernsehvertrages mit der Kirchgruppe läuft das wöchentliche Bundesliga-Magazin auf Sat1 nicht mehr im Vorfeld der Fußballsendung ran, sondern muss sich um 17.30 Uhr ohne die zuschauerbringende Nachfolgesendung emanzipieren.

An dem ungewöhnlichen Medieninteresse ist auch der Neuling Rhein Energy Cologne Schuld. Mit einem offiziellen Etat von 6,5 Millionen Mark, der in Fachkreisen schon mal auf zehn Millionen geschätzt wird, rückten die Kölner und ihre 18 000 Zuschauer fassende Arena in den Mittelpunkt des Interesses. Köln steht auch für das Konzept der BBL, in die Städte zu ziehen. "Wir wollen in den Ballungsräumen vorhanden sein", sagt BBL-Präsident Wolfgang Kram. Eine Wild Card der BBL hatte den Kölnern neben dem sportlichen Aufsteiger Wiredminds Tübingen in die Bundesliga verholfen. Die Verantwortlichen treten allerdings energisch dem Eindruck entgegen, dass der Verein aus Köln eine Sonderrolle spielt. "Köln ist für uns keine besondere Mannschaft", sagt BBL-Commissioner Otto Reintjes, "wir rollen niemandem einen goldenen Teppich aus."

Aber bei anderen kann der Teppich schon einmal eingerollt werden. In zwei Jahren muss jeder Bundesligist eine Halle für 3000 Zuschauer besitzen. Trier, Hagen, Tübingen und Oldenburg erfüllen diesen Standard noch nicht. Wird die BBL diese Klubs aus der Liga rausschmeißen, wenn diese in zwei Jahren die Hallenbedingungen nicht erfüllen können? Reintjes überlegt nicht lange und sagt: "Ja".

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