Sport : Basketball bei Wuppertal

Schwelm hat 31 000 Einwohner, ein Amtsgericht und einen Bundesligisten – heute spielt das Team in Berlin

Helen Ruwald

Berlin - Vor zehn Jahren hatte Matthias Poschmann eine Vision: Irgendwann wollte er die Schwelmer Basketballer in der Europaliga spielen sehen. Zu diesem Zeitpunkt kämpften sie in der 2. Regionalliga um Punkte. Ein Witz? „Der macht keine Witze“, sagt Trainer Torsten Daume über den Hauptsponsor der Union Baskets Schwelm. Mit dem Bundesligaaufstieg hat das Team eine Zwischenstation erreicht. Den Meistertitel haben die Schwelmer zwar nicht als Saisonziel ausgegeben, aber zumindest „wollen wir um den Einzug in die Play-offs spielen“, sagt Daume selbstbewusst.

Sein Team trete schließlich nicht in der Bundesliga an, um jedes Spiel „mit 35 Punkten Unterschied zu verlieren, auch wenn andere Vereine das so sehen“. Nach einer knappen Niederlage in Köln und einem Heimsieg gegen Trier war Schwelm am Freitagabend in Gießen zu Gast. Und verlor tatsächlich nicht mit 35 Punkten Unterschied – sondern mit 42 (62:106). Ein paar Stunden vor dem Spiel hatte Daume noch von den Tugenden seiner Spieler gesprochen, von Kampf- und Teamgeist. Und eingeräumt, „dass wir auch mal eine Packung kriegen können“. Es ging schneller, als er ahnte.

Schwelm, der heutige Gegner von Alba Berlin (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle) ist nach Quakenbrück der kleinste Bundesligastandort. Die Kreisstadt im Ennepe-Ruhr-Kreis hat 31 000 Einwohner, ein Amtsgericht, ein Finanzamt, hier werden die Ibach-Pianos hergestellt, „deren Klang in der ganzen Welt ertönt“, wie es auf der Homepage der Stadt heißt. Wuppertal, wo die Schwelmer ihre Heimspiele austragen, ist 12 Kilometer entfernt, die ehemalige Basketballhochburg Hagen keine 30 Kilometer.

Einen Bundesligisten gab es in Schwelm laut der Fachzeitschrift „Basketball“ schon einmal – im Unterwasserrugby. Nun sind die Basketballer die Berühmtheiten der Stadt und können sich auf die Unterstützung der „mit Stolz durchdrungenen Fans“ (Daume) verlassen. Viertausend feierten letzte Saison mitten in der Nacht auf dem Marktplatz den Aufstieg. Der Enthusiasmus ist groß und hilft den Schwelmern, einige Widrigkeiten zu ertragen. Das Training findet mal in der einen, mal in der anderen Schulsporthalle statt, „die sind im Herbst unbeheizt, und irgendwann macht der Hausmeister das Licht aus und wir müssen raus“, erzählt Daume.

Dennoch ist es den Schwelmern gelungen, den Topscorer der litauischen Liga zu verpflichten, Vilius Gabsys. Er hatte den Namen Schwelm vorher noch nie gehört. „Aber das Angebot war besser als das von meinem alten Verein Kaunas“, sagt der Flügelspieler. Die Stadt sei zwar sehr ruhig, und weil man nicht viel unternehmen könne, „bleibe ich meistens zu Hause“. Gabsys’ Stärke und auch die des gesamten Teams sind Dreipunktewürfe. An den ersten Spieltagen war Schwelm das gefährlichste Dreier-Team der Liga. „Alle können Dreier werfen und treffen“, warnt Albas Trainer Emir Mutapcic, dessen Team am Freitag in Braunschweig überraschend 66:76 verlor. Zuvor hatte Daume gesagt, dass Schwelms Chancen in Gießen und in Berlin gleich seien. Sollte er tatsächlich Recht behalten, müsste Alba heute mit mindestens 35 Punkten Unterschied gewinnen.

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