Sport : Basketball: "Das ist eine Ente"

Dietmar Wenck

Zunächst klingt es ganz positiv, wenn Roland Geggus über Henrik Dettmann spricht. "Eigentlich ist alles im Lot", sagt der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) vor den beiden Spielen der Nationalmannschaft heute in der Türkei (Zusammenfassung im DSF ab 20.15 Uhr) und am Mittwoch in Gießen gegen Litauen. Eigentlich habe er nie bereut, dass der Finne als Herren-Bundestrainer Nachfolger des erfolglosen Jugoslawen Ladislav Lucic geworden sei. Und: "Im Moment gehe ich davon aus, dass wir bis 2002 zusammenarbeiten."

Nun ist aber bekannt, dass das Verhältnis zwischen Bundestrainer und Präsidium, freundlich ausgedrückt, schon einmal wärmer war. Der Vertrag Dettmanns läuft bis 2001. Dann findet die Europameisterschaft in der Türkei statt, und sollte sich das deutsche Team dort für die Weltmeisterschaft qualifizieren, würde sich das Arbeitsverhältnis per Option um ein Jahr verlängern. Der zum Philosophieren neigende Dettmann ist allerdings nicht mehr so wohl gelitten, seit er in einem Interview sagte, Deutschland sei Weltmeister im Missbrauchen seiner Ressourcen. Und als dann noch seine Mannschaft beim Supercup in Stuttgart nichts von ihren Ressourcen erkennen ließ und den letzten Platz belegte, da fiel die Kritik auf ihn selbst zurück, unmissverständlich geäußert vom DBB-Präsidenten.

Dettmann ist vorsichtiger geworden. "Ich rede nicht in der Öffentlichkeit über mein Verhältnis zu meinen Chefs", sagt er jetzt, gibt nur unumwunden zu, "dass wir beim Supercup sehr schlecht gespielt haben". Es war neben einem 47:105 in Frankreich Anfang des Jahres das einzige sportliche Desaster, das er zu verantworten hatte. Ansonsten fallen in seine Amtszeit seit 1997 rund 60 Prozent Siege und ein siebenter EM-Rang, das beste Ergebnis seit dem Gewinn der Europameisterschaft 1993 unter dem damaligen Bundestrainer Svetislav Pesic.

Dieser Name ist häufiger zu hören, wenn es um die Zukunft des deutschen Basketballs geht. Da verlässt dann Dettmann doch die äußerliche Gelassenheit. "Das ist eine Ente", sagt er ärgerlich, "Pesic hat andere Ambitionen, als Bundestrainer zu werden." Da könnte er Recht haben. Seit Donnerstag liegt dem gebürtigen Jugoslawen ein offizielles Angebot vor, den Posten des jugoslawischen Nationaltrainers zu übernehmen. Außerdem weiß Pesic, was ihn beim DBB erwartet. Geggus sagt dennoch auf Nachfrage: "Wir sprechen viel mit Svetislav Pesic." Zum Beispiel über die EM der 16- bis 18-Jährigen 2002 in Deutschland, was Pesic bestätigt. Ein junges Team voranzubringen, das ist genau die Art Programm, mit der man einen wie ihn reizen kann. Geggus: "Wir haben ihm angeboten, ihn da einzubinden." Der Trainer hat spontan zugesagt, "irgendwie zu helfen".

Pesic ist nach seinem Ausscheiden bei Alba Berlin im vergangenen Sommer ohne Arbeit und hält sich zurzeit in Florida auf. Eine Aufgabe beim DBB zu übernehmen, will er nicht völlig ausschließen, "aber alle Positionen, die mich interessieren, sind zurzeit besetzt." Alle deutschen Spieler wollten wieder gern für ihr Land spielen, "und dass sein Verhältnis mit dem DBB nicht so toll ist, das ist nichts Besonderes." Das ging seinen Vorgängern nicht anders. "Im Sport gibt es immer Druck und immer Ungeduld", sagt Henrik Dettmann. Für ihn sei die Sache einfach. Er mache seinen Job so gut wie möglich und fertig.

Da liegt er immerhin mit Geggus auf einer Linie: "Entscheidend ist das Auftreten der Nationalmannschaft", sagt der, "wir warten in Ruhe und Gelassenheit die Spiele gegen die Türkei und Litauen ab." Da geht es um den so genannten Nations Cup. Für Henrik Dettmann vermutlich um ein wenig mehr.

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