Basketball : Ein Rauswurf für Alba

Bundestrainer Bauermann streicht Philip Zwiener aus dem Kader für die EM. Offensichtlich konnte sich der 24-Jährige gegen die jüngere Konkurrenz im Nationalteam nicht behaupten.

Lars Spannagel[Dessau]
Basketball
Im Kreise der Lieben. Zwiener (Nr. 5) fuhr 2008 mit Nowitzki und dem Nationalteam zu den Olympischen Spielen. -Foto: p-a/dpa

Am Sonntagabend wollte sich Dirk Bauermann noch nicht festlegen. Er werde in den nächsten Tagen in Ruhe überlegen, welchen Spieler aus seinem 15er Kader er noch streichen werde, sagte der deutsche Basketball-Bundestrainer. Am Montag überraschte Bauermann dann mit seiner doch schnell getroffenen Personalentscheidung: Er strich Philip Zwiener aus dem Kader für den Supercup am kommenden Wochenende in Bamberg und für die in drei Wochen beginnende EM in Polen.

„Aufgrund der geringen Spielzeit in der vergangenen Bundesligasaison war Philip nicht der gleiche Spieler, der ein Jahr zuvor zur Nationalmannschaft gekommen ist und sich die Teilnahme an den Olympischen Spielen erkämpft hat“, teilte Bauermann mit. Damals habe Zwiener bei Alba in den Play-offs 15 Minuten im Schnitt gespielt. „Für seine Entwicklung ist es ganz wichtig, dass er Spielzeit bekommt, und so ist es bei Alba ja auch vorgesehen“, sagte Bauermann. „Daher ist es wichtig für ihn, in Berlin die volle Vorbereitung mitmachen zu können.“ Am Sonntagabend hatte Zwiener noch in der Startformation der deutschen Mannschaft bei der 62:75 (35:39)-Testspielniederlage gegen Serbien gestanden. Mit 21 Länderspielen gehörte er im völlig neu formierten Nationalteam schon zu den Routiniers.

„Natürlich habe ich erst einmal geschluckt“, sagt Philip Zwiener, nachdem Bauermann am Montagmorgen mit ihm gesprochen hatte. „Aber ich schaue jetzt nach vorne.“ Am Mittag verließ der Flügelspieler den Lehrgang des Nationalteams in Bamberg und reiste nach Berlin. Von dort aus wird er so schnell wie möglich ins Alba-Trainingslager ins slowenische Kranjska Gora nachreisen. „Dirk Bauermann hat mir gesagt, dass er die Entscheidung auch für mich persönlich und meine Entwicklung getroffen hat“, sagt Zwiener. „Ich verstehe seine Begründung. Realistischerweise muss man sagen, dass es für mich hinsichtlich der kommenden Saison bei Alba mehr bringt, wenn ich die Vorbereitung mitmache.“ Auch bei Alba kann man Bauermanns Entschluss nachvollziehen. „Rechnen konnte man damit zwar nicht. Aber der Bundestrainer wird seine Gründe haben“, sagt Albas Sportdirektor Henning Harnisch. „Wir haben gehofft, dass Philip bis zur EM mit dabei ist. Aber dass es in diesem Jahr schwierig für ihn würde, war auch klar.“

Offensichtlich konnte sich der 24-jährige Zwiener gegen die jüngere Konkurrenz im Nationalteam nicht behaupten. Zurzeit befindet sich Bauermanns Mannschaft noch in der Experimentierphase. Gegen Serbien standen teilweise fünf Spieler zusammen auf dem Feld, die bis zu diesem Sommer noch nie für die Nationalmannschaft gespielt hatten. Positiv überraschen konnte vor allen Dingen der 25-jährige Heiko Schaffartzik. Der gebürtige Berliner, der in der kommenden Saison für Braunschweig spielt, überzeugte mit großem Selbstvertrauen und guter Trefferquote aus der Distanz und war in beiden Testspielen gegen Serbien bester Werfer der Mannschaft. Auch der 19-jährige, 2,15 Meter große Center Tibor Pleiß konnte seinem Trainer gefallen. „Tibor hat vor Serbiens NBA-Center Nenad Krstic überhaupt keine Angst gehabt“, lobte Bauermann.

Allerdings war auch nicht zu übersehen, dass gerade unter dem Korb Erfahrung im deutschen Team fehlt. Die soll Rekordnationalspieler Patrick Femerling vermitteln, der seit Montag mit der Mannschaft trainiert. Ob er auch in den Kader berufen wird und am kommenden Wochenende in Bamberg spielt, will Bauermann in den nächsten Tagen entscheiden.

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