Basketball-EM : Deutsche Gefahr aus der zweiten Liga

Die jungen Deutschen überzeugen bei der Basketball-EM – und steigern die Kritik an der Bundesliga. Robin Benzing und Elias Harris tragen zwar das Nationaltrikot, haben aber noch kein Bundesligaspiel bestritten.

Lars Spannagel[Danzig]
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Namen, die man sich merken sollte. Eias Harris, Tibor Pleiß und Robin Benzing (v.l.) feiern den Einzug in die Zwischenrunde.Foto: dpa

Die lettischen Journalisten fragten sicherheitshalber noch einmal nach. Sie wollten wissen, ob es sich bei den mysteriösen Spielklassen Pro A und Pro B, in denen die deutschen Nationalspieler Robin Benzing und Elias Harris bislang spielten, tatsächlich um die zweite und dritte deutsche Basketball-Liga handelte. Die starken Leistungen, welche die junge deutsche Nationalmannschaft bei der EM in Polen bislang zeigt, haben eben international Aufsehen erregt. Nach der hart umkämpften 62:68-Niederlage am Mittwoch gegen Lettland, die Deutschland in die EM-Zwischenrunde beförderte, kann das Team von Dirk Bauermann in den kommenden Tagen noch mehr für den Ruf des deutschen Basketballs tun. Am heutigen Freitag treffen die Deutschen auf Griechenland (18.15 Uhr, live im DSF), weitere Gegner sind Mazedonien und Kroatien.

Nach zwei weitgehend überzeugenden Auftritten gegen Frankreich und Russland waren den jungen deutschen Spielern von Lettland noch die Grenzen ihrer momentanen physischen Fähigkeiten aufgezeigt worden. „Die Letten haben am Anfang den Ton des Spiels gesetzt“, sagte Spielmacher Heiko Schaffartzik. „Und wir haben es verpasst, gleich dagegenzuhalten.“ Bauermann ließ seinen jungen Flügelspieler Robin Benzing weitgehend auf der Bank. Der 20-Jährige ist als Basketballer schon weit entwickelt, das hatte er mit seinem wichtigen Dreipunktewurf beim Sieg gegen Russland bewiesen. Sein schlaksiger Körper ist einer Konfrontation mit dem lettischen Schlägertrio aus dem NBA-Profi Andris Biedrins, dem ehemaligen Profiboxer Kaspars Kambala und dem 37-jährigen Routinier Uvis Helmanis aber zurzeit erst bedingt gewachsen.

Ellbogenschwingende Gegner, feindselige Fans, eine tumultartige Atmosphäre: Dass das Team all diesen Umständen trotzte, ist umso bemerkenswerter. „Wir müssen unsere mangelnde Erfahrung auf anderen Gebieten ausgleichen“, hatte Bauermann schon vor dem Turnier gesagt. Auch wenn gegen Lettland selbst erfahrenen Spielern wie Steffen Hamann die Ruhe abhanden kam – Einstellung und Zusammenhalt stimmten bei allen Auftritten der Deutschen. „Jeder einzelne Mitspieler ist wie ein Bruder für mich“, sagte der 21-jährige Lucca Staiger. Selbst die Spieler, die nicht mit in Polen sind, gehören zum Projekt EM: Einige Nationalspieler haben sich in Erinnerung an die in der Vorbereitung mit Verletzungen ausgeschiedenen Johannes Herber und Per Günther deren Initialen auf die Basketballschuhe gepinselt.

Der Basketball-Bundesliga (BBL), die in der Vergangenheit stets betont hat, es gebe zu wenig wettbewerbsfähige junge Deutsche, gehen nun die Argumente aus, die gegen eine höhere Deutschenquote sprechen. Der Erfolg der deutschen Mannschaft und Aussagen von Jan Jagla („In der BBL wird grausamer Basketball gespielt“) haben die Verantwortlichen aufgeschreckt. Bauermann kann sich zurzeit mit Forderungen zurückhalten und die Leistungen des Teams für sich sprechen lassen. „Ich bin überzeugt, dass etwas passieren wird“, sagte er in Bezug auf die mittelfristige Erhöhung der Quote. „Die Frage ist nur: in welchen Ausmaßen?“

In der Zwischenrunde werden sich die Gegner nicht mehr leisten können, Namen wie Benzing oder Harris zu unterschätzen. Heiko Schaffartzik wurde am Mittwoch noch gefragt, wie sich denn so ein Triumph anfühle, an den niemand geglaubt habe. „Nur ihr habt ja nicht an uns geglaubt“, lautete seine Antwort. „Wir schon.“

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