Basketball-EM : Duell der Angstfreien

Der deutsche Basketball-Nationalspieler Heiko Schaffartzik besitzt kaum internationale Erfahrung – am Montag soll er bei der Europameisterschaft den NBA-Star Tony Parker stoppen.

Lars Spannagel[Danzig]
Basketball Supercup - Deutschland - Mazedonien
Selbstbewusst zur EM. Heiko Schaffartzik setzt sich im Nationalteam durch.Foto: dpa

Auch in Badeschlappen kann die französische Basketball-Nationalmannschaft noch einschüchternd wirken. Der bullige Ronny Turiaf vom NBA-Team Golden State Warriors kann seine Augen zwar kaum vom Bildschirm seiner tragbaren Mini-Playstation nehmen, als er in Danzig aus dem Teambus steigt. Und auch Superstar Tony Parker schlurft eher gelangweilt durch die Hotellobby. Doch die deutschen Nationalspieler, die am Montag (19.15 Uhr, live im DSF) ihr erstes Spiel der EM in Polen gegen die Franzosen bestreiten, wissen, wozu die NBA-Stars in der Lage sind. Bundestrainer Dirk Bauermann hat deshalb in der Vorbereitung auch nicht zu viele Spielszenen der Franzosen gezeigt. „Bei Parker artet das schnell zu einem Highlight-Tape aus, das könnte eine so junge Mannschaft einschüchtern“, sagt Bauermann. Bei seinem Aufbauspieler Heiko Schaffartzik macht sich der Trainer allerdings weniger Sorgen: „Der hat keine Angst vor niemandem. Er hat ein Löwenherz.“

Wenig Erfahrung, viel Selbstbewusstsein

Der 25-jährige gebürtige Berliner hat zwar erst in diesem Sommer sein Debüt in der Nationalmannschaft gegeben, konnte aber in seinen bisherigen zwölf Länderspielen gleich überzeugen. Mehrmals war er bester deutscher Werfer. 14 Punkte gegen Serbien, 15 gegen Lettland, 16 gegen die Türkei: Schaffartzik hat die Lücke, die durch Dirk Nowitzkis Fehlen im deutschen Angriff klafft, ein wenig überschaubarer gehalten. „Der Trainer hat mir gleich viel Vertrauen geschenkt“, sagt Schaffartzik. Dass er dann gleich so auftrumpfte, hat ihn selbst überrascht: „Das hat sich so ergeben. Ich habe das von mir auch nicht erwartet.“

In der vergangenen Saison war Schaffartzik im Trikot der Gießen 46ers zwar der beste deutsche Werfer der Bundesliga, als Spielmacher verlangt Bauermann aber mehr von ihm. „Das Auf-den-Korb-werfen ist bei ihm weniger das Problem“, sagt Bauermann. „Das Problem ist eher, dass er überdreht.“ Talent hatte Schaffartzik schon immer. Nach einer im Alter von 13 Jahren überstandenen Leukämie-Erkrankung wurde er in der C- und B-Jugend mit TuS Lichterfelde Deutscher Meister, später stand er als Nachwuchsspieler auch im Kader von Alba Berlin. Trotz seiner geringen Größe von 1,82 Meter sucht Schaffartzik immer seinen Wurf, auch gegen körperlich überlegene Gegner. Sein wirkliches Potenzial scheint er aber erst jetzt auszuschöpfen.

Jedes Jahr spielt er bei einem anderen Team

Nachdem er Berlin verlassen hatte, machte er allerdings in Gießen negativ auf sich aufmerksam. Bei einer Dopingprobe wurde er 2004 des Marihuana-Konsums überführt, der Klub feuerte ihn. Für ihn ist diese Episode heute abgeschlossen. „Das ist ja nicht gestern passiert, sondern vor fünf Jahren. Ich muss da nichts mehr zu sagen." Nach dem Rauswurf spielte er jede Saison für einen anderen Klub – Nürnberg, Oldenburg, Ludwigsburg, wieder Gießen, nun Braunschweig. Internationale Erfahrung? So gut wie keine.

Vor seinem ersten Spiel bei einem großen Turnier macht Schaffartzik trotzdem einen abgeklärten Eindruck. „Wir haben in den Testspielen auch ohne Dirk gezeigt, dass wir spielen können.“ Dirk Bauermann sagt, Schaffartzik habe seine Erwartungen voll erfüllt, „man merkt, dass er auch charakterlich gereift ist.“ Als Neu-Nationalspieler habe er sich genau richtig benommen, sei bescheiden aufgetreten. „Eine große Klappe von den Neuen ist nicht gefragt“, sagt Bauermann.

Ein Sieg gegen Frankreich wäre eine Sensation

Neben Schaffartzik hat der Bundestrainer nach der Verletzung des Ulmers Per Günther nur noch einen weiteren Aufbauspieler im Kader – den Berliner Steffen Hamann. Beide müssen versuchen, den französischen Spielmacher Parker zu stoppen. „Er hat uns in der Vergangenheit meistens ziemlich wehgetan“, sagt Hamann. Ein Erfolg gegen die Franzosen wäre eine Sensation, in den anderen Vorrundenspiele am Dienstag gegen den ersatzgeschwächten Titelverteidiger Russland und am Mittwoch gegen Lettland könnte eher eine Überraschung gelingen.

Heiko Schaffartzik will heute nicht in seine alte Angewohnheit verfallen und wilde Würfe nehmen. „Das haben mir der Trainer und Steffen Hamann schon eingeschärft“, sagt er. Und auch Tony Parker, der ihm im Hotel mehrmals täglich über den Weg schlappt, scheint ihn nicht zu schrecken. „Mich hat immer beeindruckt, wie angstfrei der als europäischer Aufbauspieler gespielt hat, als er in die NBA gekommen ist“, sagt Schaffartzik. Auch wenn er Parker nicht als Vorbild bezeichnet – in Sachen Angstfreiheit kann er es durchaus mit ihm aufnehmen.

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