Sport : Basketball-EM: Mit zittrigen Händen

Benedikt Voigt

Bereits eine halbe Stunde vor dem Spiel lief Roland Geggus hinter der Haupttribüne unruhig auf und ab. Der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) zog eine Leidensmiene wie ein Abiturient vor der Prüfung. Dabei wusste er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, dass er tatsächlich ein unglaublich nervenaufreibendes und dramatisches Spiel erleben würde, das von einem sensationellen Comeback des deutschen Teams gekrönt war. Trotz eines Rückstandes von 21 Punkten in der ersten Halbzeit gewann Deutschland in der Zwischenrunde der Europameisterschaft in der Türkei gegen Griechenland 80:75 (31:47). Am Mittwoch (20.15 Uhr/live im DSF) spielt das deutsche Team im Viertelfinale gegen den Olympiazweiten Frankreich. "Istanbul wir kommen", sagte Ademola Okulaja.

Es ging schließlich um viel für die deutsche Mannschaft. Sie hatte bislang bei der EM einen guten Eindruck hinterlassen und in Dirk Nowitzki sogar den Topscorer des Turniers in ihren Reihen. Ein Ausscheiden hätte die erfreuliche Bilanz zunichte gemacht. Dass diese Runde es in sich hatte, bewiesen die vorhergehenden Spiele, in denen Titelverteidiger Italien gegen Kroatien ausschied und Litauen gegen Lettland verlor.

Doch es war, als hätte der Präsident die deutsche Mannschaft mit seiner Nervosität angesteckt. Fünf Minuten lang gelang dem Team von Bundestrainer Henrik Dettmann in der Offensive überhaupt nichts. Als Dirk Nowitzki seinen ersten Dreipunktewurf traf, lag das Team gegen die Griechen schon 0:15 zurück. Doch auch danach durften die Griechen problemlos durch die deutsche Abwehr spazieren. Im Angriff wechselte Dettmann die Spielmacher der Reihe nach durch, doch weder Mithat Demirel noch Marko Pesic noch Robert Garrett brachten Sicherheit in den Aufbau. Am Ende ging das erste Viertel mit 10:29 verloren. Auch das zweite Viertel begannen die deutschen Basketballer nervös. Vor allem Georgios Sigalas, der zur Halbzeit bereits 18 Punkte hatte, sorgte mit vier von fünf getroffenen Dreipunktewürfen, dass die Deutschen zeitweise mit 21 Punkten (11.) im Rückstand lagen.

Erst als Dirk Nowitzki auf der Bank saß, konnte Centerspieler Patrick Femerling, der in der Halbzeit zwölf Punkte hatte, das Team etwas heranführen: 29:42 (19.). Am eklatantesten zeigte sich die Wurfschwäche der Deutschen bei den Versuchen hinter der Dreipunktelinie. Während sie nur sieben Prozent trafen, hatten die Griechen zur Halbzeit (31:47) eine Dreierquote von 73 Prozent. Im dritten Abschnitt aber fand Dettmanns Team in der Offensive endlich zurück ins Spiel. Der starke Stefano Garris schloss einen 9:0-Zwischenspurt zum 40:47 (24.) ab. In der 25. Minute gelang den Griechen dann der erste Korb im dritten Viertel. Insgesamt kamen sie im dritten Viertel nur noch auf elf Punkte. Vor dem letzten Abschnitt hatte Dirk Nowitzki mit zwei Freiwürfen seine Mannschaft erstmals auf fünf Punkte herangebracht: 53:58.

Dann lief Dirk Nowitzki heiß. Mit zwei Dreipunktewürfen schoss er das deutsche Team in der 33. Minute erstmals in Führung: 63:61. Es wurde ein ganz knappes Spiel. In der 37. Minute schoss Nowitzki sogar das 69:66. Doch die Griechen kamen wieder zurück und stellten nach drei Punkten von Giorgios Sigalas auf 72:74. Marko Pesic aber gelang der wichtigste Dreipunktewurf des Tages. Und Dirk Nowitzki setzte 38 Sekunden vor dem Ende noch zwei Punkte drauf: 77:74. Dann startet das muntere Freiwurfschießen. Theodore Papaloukas verfehlte zwei Freiwürfe, doch Nowitzki passierte das gleiche. Dann trafen Papaloukas und Garris je einen, und als Papaloukas fünf Sekunden vor dem Ende erneut an seinen Nerven scheiterte, machte Patrick Femerling von der Linie die Überraschung perfekt: 80:75. Was für ein Comeback.

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