Basketball : Häuptlinge, keine Indianer

In dieser Woche scheint die deutsche Basketballmannschaft von einer Art neuem Teamgeist beseelt zu sein. Die Mannschaft emanzipiert sich von Dirk Nowitzki.

Torsten Haselbauer

AthenSchon Sekunden nach dem Abpfiff nahmen sich die Riesen in den Arm und tanzten in der mächtigen Athener Sporthalle im Kreis. Gerade, am späten Freitagabend, hatte die deutsche Basketballnationalmannschaft Brasilien mit 78:65 besiegt. Ihr ist damit der Einzug in das Halbfinale des Qualifikationsturniers für die Olympischen Spiele gegen Kroatien gelungen (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). Trainer Dirk Bauermann zeigte sich in seinen ersten Analysen zum Spiel gegen Brasilien „fast selber ein wenig überrascht, was die Mannschaft geleistet hat“. Er konnte das, was sich kurz zuvor auf dem Feld in Athen abgespielt hatte, kaum erklären.

Fast ein wenig ungläubig schaute Dirk Bauermann immer wieder auf den Statistikzettel, den er da in die Hand gedrückt bekam. Nicht weniger als fünf Spieler, Dirk Nowitzki (20), Pascal Roller (15), Demond Greene (14), Chris Kaman (12) und Konrad Wysocki (10), waren dort mit über zehn Punkten eingetragen. Und für die Leitfigur der deutschen Mannschaft, Dirk Nowitzki, standen noch einmal fünf Vorlagen („assists“) zu Buche. „Der Ball lief von einem zum anderen. Fast jeder hat getroffen, einfach wunderbar. Wir spielen gerne für Deutschland“, schwärmte Flügelspieler Konrad Wysocki noch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff.

Wie verflogen waren da plötzlich all die Befürchtungen, das deutsche Spiel sei einzig auf seine beiden NBA-Stars Nowitzki und Kaman zugespitzt. „Wir haben gesehen, dass auch alle anderen Spieler in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen. Wirklich jeder im Team kann hier Matches entscheiden“, sagte Bauermann.

Wie gegen Brasilien. Der Star in diesem Spiel war die Mannschaft. Vor allem aus dieser Erkenntnis zieht der Trainerstratege seinen Optimismus. „Wir sind jetzt noch stärker und vor allem unberechenbarer. Bisher hatten die Gegner doch nur Kaman und Nowitzki im Blick. So einfach ist das aber nicht mehr“, freute sich der Coach nach dem Sieg über Brasilien.

In dieser Woche scheint die deutsche Mannschaft von einer Art neuem Teamgeist beseelt zu sein. Bauermann gibt zu, „dass man so etwas nicht trainieren kann“. An den Floskeln einer „superguten Stimmung“ und „Lockerheit“, die da in den letzten fünf Tagen fast dauerhaft öffentlich verbreitet wurden, scheint etwas dran zu sein. „Eine gute Mannschaftsatmosphäre im Hotel, im Training oder beim gemeinsamen Essen hat viel Einfluss auf das Spiel in der Halle“, sagt Bauermann. „Positiven Transfer“, nennt er das.

Der Spaß am Spiel, der unbedingte Einsatz für die gemeinsame erfolgreiche Sache war im Spiel gegen Brasilien der Schlüssel zum Erfolg. Vor allem im zweiten Viertel, in dem der Gegner mit 31:13 Punkten schlichtweg chancenlos war. „Das war die beste Leistung, die eine deutsche Basketballmannschaft in ihrer Geschichte je gezeigt hat“, sagte Dirk Bauermann. Die Betonung legte Bauermann in diesem Satz auf das Wort Mannschaft.

Sollte sein Team das Spiel gegen Kroatien nicht gewinnen, bleibt am Sonntag noch die Chance, den Verlierer des zweiten Halbfinals zwischen Griechenland und Puerto Rico zu schlagen, um sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

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