Sport : Basketball: Integration als Steilangriff

Benedikt Voigt

Am Freitagmorgen um 10 Uhr traf der neu eingebürgerte Basketballer Shawn Bradley auf dem Flughafen in Bremen ein. Das sind sieben Tage und fast fünf Stunden bevor die deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der EM in der Türkei ihr erstes Spiel gegen Estland bestreitet. In einer Woche muss Bundestrainer Henrik Dettmann dem Import vom NBA-Team Dallas Mavericks mal eben die europäischen Regeln und das Spielsystem der deutschen Nationalmannschaft beibringen. Zuvor muss er seinem Zugang aus den USA sich selber und die neuen Mannschaftskollegen vorstellen. Im Fall Bradley betreibt der Deutsche Basketball-Bund (DBB) Integration wie einen Steilangriff ohne Korbabsicherung. Und der kann in die andere Richtung losgehen.

Schon jetzt sind viele verärgert. Zum Beispiel Vladimir Bogojevic, der seinen angestammten Platz im Nationalteam für den 2,29 Meter langen NBA-Spieler opfern musste. Zu allem Überfluss besaß DBB-Präsident Roland Geggus die Instinktlosigkeit, dem ausgemusterten Aufbauspieler eine Reise zur EM anzubieten. Als Tourist. Als ob ein Basketballprofi in der Vorbereitungszeit vor einer neuen Saison Zeit und Lust hätte, Urlaub zu machen. Auch der Bundestrainer ist verärgert, wenngleich er das nicht sagen darf. Noch nicht. Warum bereitet er sein Team seit Mitte Juli vor, wenn er sieben Tage vor der Europameisterschaft auf der Centerposition wieder von vorne anfangen muss? Nein, der DBB hat sich mit Shawn Bradley, der sportlich zweifellos eine Verstärkung ist, ein Problem ins Team geholt. Der Druck liegt nun auf dem Verband. Nur wenn Deutschland unter den ersten fünf landet, hat er alles richtig gemacht.

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