Sport : Basketball: Schimpfen und siegen

Sven Simon

Geändert hat er sich nicht, trotz der einjährigen Pause vom Trainergeschäft. Svetislav Pesic wurde gestern im mondänen Rotonda Business Club als neuer Trainer der Cologne 99ers vorgestellt, und als erstes schimpfte er. In seinem Lebenslauf, der an die Pressevertreter verteilt wurde, war ein kleiner Fehler. Das kann den Blutdruck hochtreiben, vor allem wenn man Svetislav Pesic heißt. Freunde nennen seinen Charakter temperamentvoll, Gegner jähzornig bis launisch. In Köln wird man sich gerne daran gewöhnen, schließlich haben die 99ers ihren "absoluten Wunschtrainer verpflichtet", so der sportliche Leiter Stephan Baeck, der in Berlin und der Nationalmannschaft unter Pesic spielte: "Er kennt den deutschen Basketball sehr gut und ist einer der besten Trainer Europas."

Es gibt nur wenige Titel, die der 51-Jährige nicht gewonnen hat. 1993 betreute er die deutsche Nationalmannschaft beim überraschenden Gewinn der Europameisterschaft in München, mit Alba Berlin holte der dreifache Trainer des Jahres 1995 den Korac-Cup und von 1997 bis letztes Jahr vier nationale Titel in Folge. Es sei wichtig für ihn in Deutschland zu arbeiten, sagte Pesic, da er dort seine größten Erfolge gehabt hätte. Seine Freundschaft zu Stephan Baeck sei ein wichtiger Grund für Köln gewesen. Außerdem hätte ihn das Konzept der 99ers überzeugt.

Pesic ist seit Anfang des Jahres Nationaltrainer Jugoslawiens, darf trotzdem eine Vereinsmannschaft betreuen. "Ich muss dadurch einfach nur sehr viel arbeiten", sagte der Serbe. Helfen wird ihm der bisherige Trainer der 99ers, Veselin Matic, der als Kotrainer in Köln bleibt. Auch bei der jugoslawischen Nationalmannschaft arbeiten beide zusammen. Ab dem 10. September nach der Europameisterschaft in der Türkei wird Pesic in Köln sein, vorher betreut Matic die 99ers.

Gerüchte über ein Engagement von Pesic in Köln hat es schon länger gegeben, bis zur Unterschrift ließ sich Pesic Zeit. Zeit, die er zum Abwägen brauchte. Wenn man sich seinen Lebenslauf anschaue, gäbe es nur wenige Trainerstationen. "Ich bin nicht der Trainer, der ein Programm anfängt und nach einem Jahr wieder weg ist." Auch in Köln brauche er Zeit. Das erfolgreiche Konzept von Alba Berlin ließe sich nicht einfach kopieren, "weil jede Stadt ihre eigenen Voraussetzungen hat". Er sei mit großen Ambitionen in Köln, aber "nackte Resultate alleine zählen nicht", sagte Pesic. "Wir müssen uns entwickeln und schrittweise verbessern."

Für Stephan Baeck sei wichtig, dass "Basketball in Köln wieder einen festen Platz einnimmt". Über sportliche Ziele will niemand der Verantwortlichen reden. Pesic sagt, dass ihm andere Bereiche wichtiger sind: "Mein Stolz bei Alba waren nicht die Meisterschaften, sondern dass wir 5500 Dauerkarten verkauft haben und oft auch mehr als 8000 Zuschauer da waren." Auch von Baeck und Manager Michael Mronz hört man eher Wörter aus dem Marketing. "Wir müssen unsere Marke Basketball in Köln gut positionieren und präsentieren", sagte Mronz. Auf Nachfragen der Journalisten fügt Pesic an, dass sein Team natürlich "international wettbewerbsfähig sein soll." Und die Play-offs möchte er auch erreichen.

Auch zu neuen Spielern - im Gespräch sind die früheren Nationalspieler Mike Koch und Hansi Gnad, sowie Jörg Lütcke von Alba Berlin - will sich noch niemand äußern. Der Berliner Nationalspieler ist momentan ohne Vertrag, doch Alba versucht, ihn zu halten. Bisher haben nur Christian Mehrens und Gregor Linke in Köln einen Vertrag. Der 23-jährige Linke kommt aus Köln, spielte bisher Regionalliga und freut sich auf Pesic: "Von ihm kann ich jede Menge lernen. Allerdings wird das Training bestimmt ziemlich hart. Gut, aber hart. Aber da müssen wir durch und dann kommt auch der Erfolg.

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