Basketball : Skyliners Frankfurt: Mit Wut zum Sieg

Der Matchball der Brose Baskets Bamberg blieb ungenutzt: Die Skyliners Frankfurt treiben mit einer fulminanten Leistungssteigerung den Kampf um die deutsche Basketball-Meisterschaft auf die Spitze.

Jan Szyszka

Plakativer Populismus ist eigentlich nicht die Sache von Pascal Roller. Am Dienstagabend machte der Kapitän der Skyliners Frankfurt eine Ausnahme. Nach dem unerwarteten 69:56-Comeback der Hessen gegen die Baskets Bamberg, gleichbedeutend mit dem 2:2-Ausgleich in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft, wandte Roller sich über das Hallenmikrofon an die Anhänger und formulierte nun eine kleine Kampfansage. „Nur noch ein Sieg“, rief der 33-jährige Veteran gleich zweimal optimistisch Richtung Fanblock. Rollers Augen funkelten, der Kopf nickte mehrfach. Der Kapitän demonstrierte Zielstrebigkeit. Sein wahrscheinlich letztes Play-off-Finale will Roller unbedingt zum zweiten Titelgewinn nutzen. Mit seiner Entschlossenheit steht er vor dem entscheidenden fünften Spiel heute (19.55 Uhr, live auf Sport 1) in Bamberg nicht allein. „Jeder weiß jetzt, worum es geht. Fast niemand hat mehr an uns geglaubt. Aber jetzt haben wir die Chance: Wir haben das fünfte Spiel und alles ist wieder offen“, sagte Dominik Bahiense de Mello.

Ein paar Meter weiter freute sich derweilen Kamil Novak über das neuerliche Comeback der Mannschaft. Schon während einer zunächst durchwachsen verlaufenden Saison hatte der Sportdirektor den Charakter der Mannschaft gelobt. Teamchemie und Zusammenhalt seien „einfach besonders“, schwärmte Novak. Neben den oft bemühten eigenen weichen Faktoren wie „Herz“ (Quantez Robertson) oder „Wille“ (Dragan Labovic) spielte den Skyliners auch der Gegner in die Karten. Aubrey Reese, der mit Roller das Offensivspiel organisiert, bekannte, dass die Skyliners auch mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch ins Spiel gegangen waren. „Die haben uns beim letzten Mal den Arsch versohlt, das war eine Reaktion darauf“, sagte Reese mit Blick auf die Vorführung im dritten Spiel, das die Skyliners am Sonntag mit fast 50 Punkten Unterschied verloren hatten. Zusätzlich angestachelt wurden die Frankfurter durch die in Bamberg herrschende Euphorie samt geplanter Meisterfeier. Drei Kleinflugzeuge sollten die Mannschaft noch in der Nacht nach Bamberg bringen, Meister-T-Shirts waren bereits für die Reise nach Frankfurt eingepackt. Offiziell wollte kein Frankfurter Spieler auf die Extramotivation eingehen, hochgezogene Augenbrauen oder ein kurzes „Da sag ich lieber nichts zu“ sprachen aber eine deutliche Sprache.

Vor dem fünften Spiel sehen sich nun die Stehaufmännchen der Bundesliga – keine andere Mannschaft hat in der laufenden Saison so viele enge Spiele absolviert – leicht im Vorteil. Dabei verweisen sie aufs vermeintlich bessere Teamgefühl – und machen sich damit Mut. Weil taktische Überraschungen im fünften Spiel genauso wenig zu erwarten sind wie ein Kräftevorteil für eine Mannschaft, könne dies entscheiden. Pascal Roller sieht die Skyliners zudem psychologisch vorne: Anders als die Bamberger „haben wir Erfahrung mit Fünf-Spiele-Serien“, sagt Roller. Von der Meisterfeier spricht er aber lieber nicht. Noch nicht.

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