Sport : Basketball-Suproleague: In den Sitzen verkrochen

Helen Ruwald

Der eine bekreuzigte sich immer wieder, der andere las eine Geschichte über die Mafia. Nebeneinander saßen Pantelis Papaioakim und Marco Baldi gestern in der Olympic Airways Maschine von Saloniki nach Berlin. Der junge Grieche auf Platz 10 C hielt seinen Nachbarn vermutlich für einen deutschen Touristen. Und Baldi, Manager der Basketballer von Alba Berlin, dachte nicht daran, ihn eines Besseren zu belehren. Was hätte er auch sagen sollen? "Herzlichen Glückwunsch zu eurem Sieg über uns", wäre das Passendste gewesen. Denn gestern machte Papaioakim zwar Kreuze (Baldi: "Der hat wohl Flugangst."), am Abend zuvor aber hatte er mit Iraklis Saloniki Baldis Team im ersten Play-off-Viertelfinale der Suproleague 78:67 (39:37) besiegt.

Die Griechen liefen munter durchs Flugzeug, die Berliner verkrochen sich in ihren Sitzen. Zu tief saß der Frust. "Wir haben die Riesenchance vertan, vor eigenem Publikum den Einzug ins Viertelfinale klarzumachen", sagte Albas Center Dejan Koturovic. Mit einem Sieg heute (20.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) erzwingt Alba nur ein Entscheidungsspiel in einer Woche in Saloniki. Bis heute Abend müssen die Köpfe wieder frei, die unnötige Niederlage abgehakt sein.

Nach dem dritten Viertel führte Alba noch 59:55, doch ein 8:23 im hektischen letzten Durchgang machte alles zunichte. "Taktisch haben wir nicht viele Fehler gemacht", sagte Trainer Emir Mutapcic, "dafür beim Passen und beim Dribbling. Das ist schwer zu erklären." Koturovic spielte unter Normalform, Derrick Phelps machte zwar 17 Punkte, leistete sich aber acht Ballverluste. Marko Pesic war nach überstandener Verletzung noch nicht fit. Und Jörg Lütcke und Henrik Rödl waren schnell mit mehreren Fouls belastet.

Durchhänger sind bei Alba nichts Außergewöhnliches. Bei den Niederlagen gegen Siena und in Moskau lagen die Berliner 11:27 und 11:29 zurück und verloren nach Aufholjagden knapp. Bei den Siegen in Wroclaw und gegen Bonn leistete sich Alba in der zweiten Halbzeit eine Auszeit - die wegen der deutlichen Führung aber nichts am Sieg änderte. So war es auch beim Erfolg gegen Leverkusen, als die Berliner es mit einem 13:21 in den letzten fünf Minuten unnötig spannend machten. Doch gegen ein europäisches Topteam rächt sich ein schlechtes Viertel sofort, zumal ein schlechtes letztes Viertel. Was Alba spielerisch kann, hat die Mannschaft unlängst beim Sieg gegen Panathinaikos Athen bewiesen. Was jedoch fehlt, ist die Konstanz in der Suproleague. Im Spiel genauso wie im Saisonverlauf. Auf Athen und Wroclaw folgte die Heimpleite gegen Siena, den Letzten. In Berlin gelang zuletzt in vier Spielen nur ein Sieg.

Die Bankspieler Lütcke und Teo Öztürk fügen sich nahtlos ein und können Partien kippen - aber eben nur sie. Und hier könnte das Problem liegen. Stefano Garris spielte in Saloniki kurz, Tommy Thorwarth, Sven Schultze und Stipo Papic überhaupt nicht. Garris und Thorwarth treten mit Doppellizenz für TuS Lichterfelde in der Zweiten Liga an. Dass sie in der Suproleague (noch) kein Spiel entscheiden, ist klar. Papic und Schultze gehörten vor einem Jahr noch zu TuSLi. Anders der Nachwuchs von Saloniki. Der 20-jährige Lazaros Papadopoulos "hält und zieht wie ein 30-Jähriger", sagt Baldi. Und Bankspieler Dimitrios Diamantidis "haben wir unterschätzt". Ihm gelangen sieben Ballgewinne - mehr als allen Berlinern zusammen.

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