Sport : Baumann spricht von heimlichem Austausch

Die Beweislast ist erdrückend, die erste B-Probe war auch positiv, doch Dieter Baumann greift im Doping-Sumpf nach jedem Strohhalm: Nach einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" soll der Leichtathletik-Olympiasieger gegenüber der Staatsanwaltschaft behauptet haben, dass es sich bei der seiner Meinung nach manipulierten Zahnpastatube um ein Produkt handele, das er nicht selbst gekauft habe. "So wie er es vorgetragen hat, soll die betreffende Tube eine andere sein als die, die ursprünglich im Hause Baumann war", sagte Oberstaatsanwalt Hans Ellinger der Zeitung. Baumann gehe daher davon aus, "dass ein Austausch der Tuben" stattgefunden habe. Doch auch für diese überraschende Version liegen der Staatsanwaltschaft keine Beweise vor. Ein baldiger Abschluss der Ermittlungen sei jedenfalls nicht in Sicht.

Doch ausgerechnet der Experte, der Baumann beim vermeintlichen Unschuldsnachweis helfen soll, beurteilt die Chancen für ein Gelingen des Vorhabens skeptisch. Er sehe im Moment "von unserer Seite keine Möglichkeiten", diesen Nachweis zu führen, sagte Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Dopingkontroll-Labors. Baumanns Anwalt Michael Lehner meint dagegen, dass schon allein die Möglichkeit einer Manipulation von dritter Seite ausreiche, um die Suspendierung seines Klienten aufzuheben. Es gelte der Rechtsgrundsatz: "Im Zweifel für den Angeklagten."

Der Jurist baut nach wie vor auf die Ermittlungen der Tübinger Staatsanwaltschaft, die inzwischen einige Zeugen vernommen hat. "Wir versuchen, den möglichen Täterkreis einzuengen", sagte Oberstaatsanwalt Hans Ellinger, räumte aber gleichzeitig ein: "Die Chancen, dass sich bewahrheitet, was Dieter Baumann hofft, sind nicht überragend." Für Baumanns Anwalt jedoch reichen die offenen Fragen aus, um vom DLV eine Aussetzung des verbandsrechtlichen Verfahrens und die Aufhebung der Suspendierung zu fordern.

Die Wende für Baumann konnte jedoch auch die erste und entscheidende B-Probe nicht erbringen: Die am Dienstag im Dopingkontroll-Labor von Kreischa vorgenommene Gegenanalyse des am 19. Oktober in einem zweiten Gefäß abgefüllten Urins war ebenso positiv ausgefallen wie die A-Probe. Damit wird eine zweijährige Sperre für den seit dem 19. November suspendierten 5000-m-Olympiasieger von 1992 immer wahrscheinlicher, sofern dieser im Zuge der "Zahnpasta-Affäre" nicht eine Manipulation von dritter Seite nachweisen kann. Eine zweite B-Probe, die am Mittwoch um 10 Uhr im Kölner Labor geöffnet wurde, ist eigentlich ein "Muster ohne Wert", weil nach der Analyse von Kreischa ein gesicherter "Positiv-Fall" vorliegt.

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