Sport : Bayer dilettiert, Bayern wird düpiert

Die Münchener verspielen ein 1:0 gegen Getafe in letzter Minute und stehen vor einem schweren Rückspiel Schwache Leverkusener verlieren das Hinspiel im Uefa-Cup gegen St. Petersburg 1:4 und sind fast ausgeschieden

Michael Neudecker

München - Jürgen Klinsmann ist schon vor ein paar Tagen nach München gekommen, um „organisatorische Dinge vorzubereiten“, wie er sagte. Am Donnerstagabend war der künftige Trainer des FC Bayern dann natürlich auch in der Arena, um sich das Hinspiel im Viertelfinale des Uefa-Cups der Bayern gegen den spanischen Erstligisten FC Getafe anzuschauen. Was er wie 62 000 Zuschauer sah: Ein unglückliches 1:1 (1:1) der Bayern. Erst in der Schlussminute kam Getafe zum Ausgleich, nachdem die Bayern den Gegner lange im Griff hatten.

Lukas Podolski spielte bei Bayern von Beginn an und zeigte eine ordentliche Leistung, ebenso wie Bastian Schweinsteiger, der am einzigen Tor der Bayern maßgeblich beteiligt war: Er zwang Getafes Torhüter Óscar Ustari nach 26 Minuten mit einem Schuss aus 17 Metern zu einem Hechtsprung, Ustari konnte den regennassen Ball zur Ecke abwehren. Die führte wiederum Schweinsteiger aus. Der Ball flog in den Strafraum, wo Luca Toni höher sprang als alle anderen und per Kopf das 1:0 für die Münchner erzielte. Es war ein verdientes 1:0, Getafe kam kaum zu nennenswerten Chancen. Richtig gefährlich wurde es für die Münchner nur ein einziges Mal: In der 35. Minute kam Verteidiger Mario frei zum Kopfball, Oliver Kahn wehrte ab, dann klärte Philipp Lahm auf der Linie.

Danach allerdings blieb die Partie zunächst weitgehend ereignisarm, wenn man von einer Zwei-gegen-eins-Situation in der zweiten Halbzeit absieht, die jedoch nicht zum Tor führte, weil Mark van Bommels Querpass auf Luca Toni zu ungenau war. In der 80. Minute dann wurde Miroslav Klose eingewechselt, er kam für Toni. Doch dann wurden die Bayern nachlässig. Ein Pfostenschuss von Getafe war ein erster Warnschuss, bis dann Cosmin Contra in der 90. Minute noch der Ausgleich gelang und die Bayern somit kommenden Woche nun vor einem schweren Rückspiel stehen. Michael Neudecker

Leverkusen - Mit seinem Spiel lässt Bernd Schneider das Publikum nur selten kalt. Das ist noch immer so – und doch ganz anders. Wenn der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen in diesen Wochen zum Spurt ansetzt und scheinbar nicht von der Stelle kommt, geht ein Seufzen durch die Ränge. Schneider gibt der Krise der Leverkusener derzeit ein Gesicht. 1:4 (1:1) verlor die Mannschaft gestern im eigenen Stadion gegen Zenit St. Petersburg. Schon nach dem Hinspiel ist damit klar, dass Bayer wie im vergangenen Jahr auch in dieser Saison im Viertelfinale des Uefa-Cups ausscheiden wird. „Wir sind im Moment nicht in der Verfassung, dass wir mit so einem Gegner mithalten können“, sagte Sportdirektor Rudi Völler.

Den Leverkusenern ist die Leichtigkeit des Seins abhanden gekommen. Gegen den Russischen Meister wirkten sie von der ersten Minute an fahrig und unkonzentriert – und spielten ihrem Gegner damit in die Karten. Die Mannschaft von Trainer Dick Advocaat beherrscht das Umkehrspiel nahezu perfekt. In der 20. Minute verlor Tranquillo Barnetta an der Mittellinie gegen Andrej Arschawin den Ball, der flinke Russe war in der Folge nicht mehr zu stellen und vollendete zum 1:0. „Wir waren zu brav“, klagte Völler.

Bei den Leverkusenern rief kein einziger Spieler seine normale Form ab. St. Petersburg strahlte stets Gefahr aus und ließ sich auch vom Ausgleich der Leverkusener durch Stefan Kießling nicht aus der Ruhe bringen. Dick Advocaat, der das Spiel wegen einer Sperre von der Tribüne aus verfolgen musste, hatte auch nach dem 1:1 nicht das Gefühl, dass seine Mannschaft das Spiel nun aus der Hand geben würde. Zenit suchte auch nach der Pause immer wieder den direkten Weg nach vorne. „Da sind wir ganz böse ausgekontert worden“, sagte Bayers Trainer Michael Skibbe. Pogrebnjak, Anjukow und Denisow erhöhten auf 4:1. Und es hätte für Leverkusen noch viel ärger kommen können. Stefan Hermanns

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